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Deutschland-Barometer Depression verdeutlicht: Versorgungsangebote für psychisch Kranke wichtiger denn je

Jeder zweite an Depression Erkrankte erlebte im ersten Corona-Lockdown massive Einschränkungen in der Behandlung seiner Erkrankung. Das hat das Deutschland-Barometer Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe gezeigt. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig die Versorgungsangebote für psychisch Kranke gerade inmitten der Pandemie sind. Auch die Psychiatrische Behandlung Zuhause (PBZ) des Salus-Fachklinikums Uchtspringe konnte nach einer Zwangspause im Frühjahr 2020 das hilfreiche Wirken wieder aufnehmen und stellt sich den damit verbundenen Herausforderungen. Dabei sichert neben der konsequenten Einhaltung der AHA-Regeln inzwischen auch ein wöchentlicher Antigen-Schnelltest für das gesamte Team ein Höchstmaß an Infektionsschutz.

Die psychiatrische Behandlung im häuslichen Umfeld ergänzt seit Oktober 2016 die stationären Angebote des Salus-Fachklinikums Uchtspringe. Das Angebot richtet sich an psychisch Kranke, bei denen eigentlich ein Klinikaufenthalt angezeigt, aber aufgrund der persönlichen Situation kontraproduktiv wäre oder abgelehnt wird.  Während das interdisziplinäre Team unter chefärztlicher Leitung der Ärztlichen Direktorin Dr. Michaela Poley im ersten Corona-Lockdown die aufsuchende Tätigkeit unterbrechen musste, geht die aktuelle Welle der Pan-demie mit besonderen Herausforderungen in der therapeutischen Arbeit einher: „Gesellschaftliche Krisen hinterlassen Spuren in der Seele, umso mehr gilt dies für Menschen, die ohnehin schon psychisch angeschlagen sind. In vielen Patientengesprächen zeigen sich Angst vor einer Infektion und verstärkte Gefühle von Einsamkeit“, hat die Psychologin Rahel Ulrich beobachtet.  Und ihr Kollege David Badke ergänzt: „Wir machen ebenso die Erfahrung, dass der Aufbau einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung durch das Abstandgebot und die Maskenpflicht mitunter länger dauert. Auch die Befunderhebung wird aufgrund der eingeschränkten Beurteilung der Mimik häufig erschwert.“ Vor allem sei das therapeutische Handeln bei einigen Erkrankungen, die wie z.B. die Depression mit sozialen Rückzugstendenzen einhergehen, eingeschränkt: Eigentlich sollen die Patient*innen bestärkt werden, wieder aktiv zu werden und unter Menschen zu gehen. Andererseits sind die Gebote zur Kontaktvermeidung zu beachten.  „Gemeinsam mit den Patient*innen finden wir aber Kompensati-onsmöglichkeiten, die der Gesundung zuträglich sind. Kontakte werden zum Beispiel im Rahmen von Spaziergängen im Freien gefördert oder Interaktionen im sozialen Umfeld der Patient*innen mittels Video-Chats angeregt“, zeigt der Psychologe David Badke zwei Bei-spiele für den Umgang mit der besonderen Situation auf.
Fazit der Psychologin Rahel Ulrich: „Insgesamt profitieren die Patient*innen also auch unter Pandemie-Bedingungen von der häuslichen Behandlung und bewerten diese positiv“, erklärt sie und verweist dabei auf die zahlreichen Vorteile des Home Treatments, wie Fachleute diese Versorgungsform auch nennen: Indem ein multidisziplinäres Team aus Ärzt*innen, Psycholog*innen, Fachtherapeut*innen und Pflegekräfte unmittelbar Einblicke in das häusliche und soziale Umfeld gewinnt, können sie besonders individuell auf die Bedürfnisse der Patient*innen eingehen, Veränderungen anregen und Angehörige einbeziehen.
Die Psychiatrische Behandlung Zuhause (PBZ) zielt nicht nur darauf, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden oder abzukürzen, vielmehr geht es darum, die unterstützenden Ressourcen und sozialen Bezüge des Wohnumfeldes therapeutisch zu nutzen. Besonders häufig leiden die Patient*innen, die die Behandlung im vertrauten Umfeld in Anspruch nehmen, unter Depressionen, Angststörungen und demenziellen Veränderungen. Das Durchschnittsalter der Patient*innen liegt bei etwa 56 Jahren, 72 Prozent des Klientels sind Frauen, darunter auch alleinerziehende Mütter, die aufgrund fehlender Betreu-ungsmöglichkeiten für ihre Kinder vollstationär psychiatrisch behandelt werden können.

Das PBZ-Angebot versteht sich als ergänzendes therapeutisches Segment zu den bestehenden, etablierten Strukturen des Fachklinikums Uchtspringe.
Die Psychiatrische Behandlung Zuhause ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Dazu gehört u.a., dass Betroffene sich selbst und andere nicht gefährden, sondern kooperationsfähig und motiviert ist. Idealerweise gibt es auch mindestens eine vertraute Bezugsperson, die dem Kranken unterstützend zur Seite stehen kann. Nähere Informationen sind hier abrufbar.

Hintergrundinformation zum Deutschland-Barometer Depression: Für das diesjährige Barometer wurden im Juni/Juli insgesamt 5178 Personen zwischen 18 und 69 Jahren aus einem repräsentativen Online-Panel befragt. 48 Prozent der Be-troffenen berichteten von ausgefallenen Behandlungsterminen. Mit den Kontakt- und Ausgangbeschränkungen fallen wichtige psychisch stärkende Faktoren wie gewohnte Tagestrukturen weg. Auch der Bewegungsmangel, den viele erleben, die allgemeine Verunsicherung, Angst vor Ansteckungen und Sorge um die Familie oder die Existenz wirken sich negativ auf die Psyche aus. Weitere Ergebnisse: www.deutsche-depressionshilfe.de/forschungszentrum/id-2020