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Fortsetzung der Stendaler Gespräche: Was die Psyche bewegt

Hansestadt Stendal. Bestärkt durch den Besucherzuspruch im zurückliegenden Jahr, setzt das Salus-Fachklinikum Uchtspringe die Stendaler Gespräche „Was die Psyche bewegt“ auch 2019 fort. Die nächste Veranstaltung findet am Dienstag, den 18. Juni 2019, um 17.00 Uhr statt. Themenschwerpunkt ist diesmal die Erkennung, Behandlung und alltägliche Bewältigung der bipolaren Störung, vielen geläufig als manisch-depressive Erkrankung. In das Programm bringen sich erfahrene Experten aus Medizin, Fachtherapie und Pflege des Salus-Fachklinikums Uchtspringe ein. Besucher können auch eigene Fragen, Probleme und Themenwünsche aufwerfen. Der Eintritt ist kostenlos. Aus organisatorischen Gründen wird um Anmeldung im Vorfeld gebeten (E-Mail: n.abrams@salus-lsa.de, Telefon: 03931 49319-41).

Vorab zur Information: Die bipolare Störung

Jeder ist mal schlecht drauf. Und dann gibt es Tage, an denen man die ganze Welt umarmen könnte. Das ist ganz normal. Allerdings gibt es Menschen, bei denen der Zeiger zwischen den emotionalen  Polen ins Extreme ausschlägt: Sie sind manisch-depressiv, sagte man früher.  Mediziner beschreiben die verschiedenen Erscheinungsformen der Erkrankung heute als bipolare Störungen, unter denen in Deutschland etwa vier Millionen Menschen leiden.
 „Übersteigerte und planlose Aktivitäten, Distanzlosigkeit, ungebremster Rededrang, Ablenkbarkeit, ein ver-mindertes Schlafbedürfnis und das Gefühl von Grandiosität sind typisch für die manischen Episoden einer bipo-laren Störung“, erklärt Dr. Michaela Poley, Ärztliche Direktorin des Salus-Fachklinikums Uchtspringe und Chef-ärztin des Ambulanten Psychiatrischen Zentrums. „Demgegenüber stürzen die Betroffenen in der depressiven Phase in das sprichwörtliche schwarze Loch:  Sie fühlen sich wertlos, traurig, leer und kraftlos.“ Allerdings ver-laufe die Gemütskrankheit selten so dramatisch polarisiert: „Häufig liegen schwere Depressionen vor, während die manische Phase nur von leicht gehobener Stimmung geprägt ist, bei anderen ist es umgekehrt oder das emotionale Gleichgewicht ständig unausgeglichen.“ Die Mediziner klassifizieren deshalb verschiedene Erscheinungsformen der bipolaren Störung.
„Das variable Wesen der Erkrankung birgt die Gefahr von Fehldiagnosen in sich“, weiß Oberärztin Viktoria Rademeier-Andris. „Vor allem ist zu berücksichtigen, dass die Patienten nur in den depressiven Phasen leiden und ihre Höhenflüge im Gespräch mit dem Arzt oft gar nicht erwähnen, weil sie damit gute Erinnerungen und keine Krankheit verbinden. Die übersteigerte Euphorie ist eher für das unmittelbare Lebens- und Arbeitsumfeld ein Problem.“ Nach auffälligen Stimmungsschwankungen zu fragen und möglichst auch die Wahrnehmungen von Angehörigen aufzunehmen, sei daher für das diagnostische und therapeutische Vorgehen sehr wichtig. Auch bei Wahnvorstellungen, Ängsten oder Suchtmittelmissbrauch sei nicht auszuschließen, dass eine bipolare Störung vorliegt.

Für  deren Behandlung sind stimmungsstabilisierende Medikamente hilfreich - sie können das Rückfall-Risiko aber nur absenken. Wie die Experten in Uchtspringe betonen, haben deshalb auch psychotherapeutische  Methoden sowie die gezielte Hilfe zur Selbsthilfe große Bedeutung. Dabei geht es beispielsweise darum, die Akzeptanz der Erkrankung, Sensibilität gegenüber Frühwarnsignalen einer Krise und  emotionales „Selbstmanagement“ zu fördern.
 „Aufklärung über die Erkrankung ist bitter nötig, denn die Erfahrung zeigt: Je weniger Krankheitsphasen bis zur Einleitung einer Therapie durchgemacht wurden, desto besser sprechen die Patienten darauf an. Derzeit ver-gehen zwischen erster Krankheitsepisode, richtiger Diagnose und Beginn einer adäquaten Therapie aber häufig viele Jahre“, verweist Frau Dr. Poley auf die damit verbundenen Risiken für Betroffene und ihre Angehörigen: Unter bipolar erkrankten Menschen gibt es eine überdurchschnittlich hohe Scheidungsrate, weil die Familie mit ihren emotionalen Berg- und Talfahrten überfordert ist. Und sie schweben in großer Gefahr, sich das Leben zu nehmen - im Vergleich zur Normalbevölkerung besteht ein stark erhöhtes Suizidrisiko, mitunter kommt jede Hilfe zu spät. 
Die ersten Symptome einer bipolaren Störung treten überwiegend zwischen dem zwanzigsten und dreißigsten Lebensjahr auf, nur selten kommen die ersten Krankheitsepisoden auch schon im Jugendalter vor.  Männer sind ebenso häufig betroffen wie Frauen, wobei die Erkrankung bei Männern eher mit manischen Episoden und bei Frauen eher mit depressiven Episoden beginnt.

Den Terminüberblick zu den Stendaler Gesprächen finden Sie auch im nachfolgenden Flyer.