Informationsveranstaltung in Bernburg: ADHS - Krankheit oder geschaftliches Problem?

Bernburg.  Was steckt dahinter, wenn Kinder so unaufmerksam, ablenkbar, zapplig und impulsiv sind, dass sie mit sich selbst und ihrem Umfeld ständig in Konflikte geraten? Und wie sollte man bei solchen Problemen handeln? Um diese Fragen geht es am Mittwoch, den 12. Juni 2019, bei einer Vortrags- und Gesprächveranstaltung  im Haus „Neuendorff“ des  Salus-Fachklinikums Bernburg. Sie beginnt um 15.30 Uhr mit einem Willkommen bei Kaffee und Kuchen, gefolgt ab 16.00 Uhr von Begrüßung, Vortrag, Fragerunde und Podiumsdiskussion.  

Unter dem Leitmotiv „ADHS – Krankheit oder gesellschaftliches Problem?“ soll für die Ursa-chen und Symptome von  Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndromen (ADHS) sen-sibilisiert  werden. Weiterhin stehen sehr gut wirksame und entbehrliche Therapiemaßnah-men im Blickfeld.  Einfließen werden auch gesellschaftlich determinierte Aspekte, wie sie z.B. in Form von Reizüberflutung, Leistungsdruck, Medienkonsum oder Bewegungsmangel zunehmend die heutige Lebenswelt von Kindern beeinflussen. Mit Chefarzt Tilo Kranepohl  und dem leitenden Oberarzt Dr. Olaf Latuscynski bringen sich zwei erfahrene Experten aus der Bernburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und  -psychotherapie in das Programm ein. Nach dem Impulsvortrag besteht Gelegenheit zu Nachfragen und Diskussion. Dazu sind Eltern und andere Angehörige, Fachleute aus Schulen, Kindertagesstätten und Jugendeinrichtungen ebenso herzlich willkommen wie Gäste mit allgemeinem Interesse an der Thematik. Der Eintritt ist kostenlos. Aus organisatorischen Gründen wird um Anmeldung im Vorfeld gebeten (E-Mail: d.weinhold@salus-lsa.de; Telefon: 03471 34-4110), wobei auch spontan entschlossene Besucher willkommen sind. 
Die Veranstaltung findet innerhalb der populärwissenschaftliche Veranstaltungsreihe „Psy-che im Blickfeld“ statt. In diesem Rahmen wenden sich Experten des Salus-Fachklinikums Bernburg an die breite Öffentlichkeit, um für die Erkennung und Behandlung psychischer Erkrankungen zu sensibilisieren sowie präventive Einflussmöglichkeiten aufzuzeigen. Ebenso geht es um den Abbau von Berührungsängsten und Vorurteilen gegenüber der Psychiatrie und psychisch kranken Menschen.

Vorab zur Information:
Das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom ist eine der häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Betroffen sind etwa drei bis sechs Prozent aller Schulkinder, Jungen mehr als Mädchen.  ADHS geht mit einer verminderten Fähigkeit zur Selbststeuerung einher. Das äußert sich beispielsweise in Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, in ausgeprägter körperlicher Unruhe, übersteigertem Bewe-gungsdrang sowie in einem stark impulsiven, unüberlegten Handeln. Angesichts dessen sind Lernschwierigkei-ten in der Schule und ständige Konflikte im familiären Umfeld oft unausweichlich.  Während das so genannte. „Zappelphilipp-Symptom“ am bekanntesten ist, kann die Erkrankung aber auch ohne Hyperaktivität auftreten. Letzteres findet sich oft bei Mädchen, die den nachhaltigen Eindruck einer „Traumsuse“ vermitteln. Obwohl ADHS-Symptome häufig auftreten, dürfen sie nicht als „Modediagnose“ herhalten, mit der man sich die Welt erklärt, wenn der Nachwuchs Schwierigkeiten macht. Hinter den Symptomen können vielschichtige emotionale und soziale Probleme stecken, deren Abklärung wichtig ist, damit den Kindern wirksam geholfen werden kann.

Die ADHS-Behandlung erfolgt auf Basis eines multimodalen Gesamtkonzepts, das auf seelische, körperliche und soziale Einflussfaktoren eingeht. Dabei gilt es, die Stärken der Kinder zu betonen und ihnen den Umgang mit ihren Schwächen durch geeignete therapeutische Maßnahmen zu erleichtern. Im Salus-Fachklinikum Bernburg werden dafür u.a. verhaltenstherapeutische Angebote, sportliche und künstlerisch-kreative Anregungen sowie soziale und alltagspraktisch orientierte Übungen genutzt. Auch die Beratung und Einbeziehung der Eltern, An-gehörigen und Lehrer stellt ein wichtiges Element dar, weil ihr Verständnis und ihre Geduld maßgeblich sind, um den Behandlungserfolg nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zu sichern und auszubauen. Bei Kindern mit einem ausgeprägten ADHS ist die unterstützende Verordnung von Medikamenten notwendig, die stets einer sorgfältigen Überwachung durch den Facharzt bedarf.

Eine differenzierte Diagnostik und frühzeitige Förderung der ADHS-Kinder ist deshalb so wichtig, weil Verlauf und Ausprägung dadurch günstig beeinflusst werden können. Wird die Erkrankung hingegen unbehandelt mit ins Erwachsenenalter geschleppt, hat das oft weitreichende Folgen: Den Betroffenen fällt es schwer, ihren Alltag zu organisieren. Sie fühlen sich ruhelos, getrieben und neigen dazu, sich zu verzetteln und von einer Tätigkeit zu anderen zu springen, ohne etwas zu beenden. Vielfach kommt es zu Schwierigkeiten in der Familie, mit Vorgesetzten und Kollegen. ADHS bei Erwachsenen geht häufig auch mit Depressionen, Ängsten und Suchterkrankungen einher. Das Spektrum der drohenden sozialen Folgen reicht von hohen Scheidungsraten über Arbeitslosigkeit bis hin zu kriminellen Auffälligkeiten.

Kurz informiert
Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie des Salus-Fachklinikums Bernburg verfügen insgesamt über 60 stationäre Betten und 42 Tagesklinik-Plätze. Behandelt werden Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei bis zu 18 Jahren, die zum Beispiel unter emotionalen Störungen, unter dem hyperkinetischen Syndrom mit all seinen Folgeerscheinungen, akuten Stressreaktionen und Anpassungsstörungen, Psychosen, Entwicklungs-, Persönlichkeits- und Lernstörungen leiden. Die Therapiekonzepte sind multi-modal ausgerichtet, wobei verhaltenstherapeutische und systemische Ansätze eine große Rolle spielen. Ergänzt wird das stationäre und tagesklinische Spektrum durch ambulante Angebote in den Institutsambulanzen sowie in den Medizinischen Versorgungszentren der Salus-Praxis.

Datum und Uhrzeit:
am  12.06.2019
16:00 Uhr