Deutsches Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie mit hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen

Kinder mit Hörschädigungen sind häufig einer Vielfalt von zusätzlichen Belastungen und Risikofaktoren ausgesetzt. Sie finden bei psychischen, emotionalen und sozialen Störungen oft nur schwer Ansprechpartner, die ausreichend mit ihrer Lebensrealität vertraut sind und/oder Gebärdensprachkompetenz besitzen. So werden sie dann häufig als einzige hörgeschädigte Kinder und Jugendliche in einer nicht gebärdensprachkompetenten, mit den Besonderheiten der Entwicklung bei Hörgeschädigten nicht ausreichend vertrauten Behandlungssettings konfrontiert.

In unserer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie werden hörgeschädigte Kinder und Jugendliche von 4 – 18 Jahren mit psychischen Störungen behandelt. Wir haben in diesem Bereich über 30 Jahre Erfahrung.

In seiner jetzigen Form besteht das Behandlungsangebot seit 1993. Wir haben uns bewusst für einen integrativen Ansatz mit dem Einsatz Lautsprachbegleitender Gebärde entschieden, um diesen Patienten die Auseinandersetzung in einer Peer-Group zu ermöglichen. Die schwerhörigen und gehörlosen Patienten und Patientinnen kommen aus dem ganzen Bundesgebiet und vereinzelt auch aus anderen deutschsprachigen Ländern. 

Auf der Station 48 werden Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung und /oder Mehrfachbehinderung im Alter von 4 -18 Jahren aufgenommen, wobei zwei Plätze durchgängig mit hörgeschädigten Patienten und Patienten belegt werden.
 
Die Station 50 A mit ihren 4 Plätzen für gehörlose und schwerhörige Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren ist durchgängig ausgelastet.
 
Die Station 50 B für Kinder im Alter von 4 - 12 Jahren hat zwei Plätze für Hörgeschädigte reserviert. Zurückzuführen auf Alter und Entfernungen sind diese Plätze phasenweise belegt. Wobei sich zeigt, das es für die Kinder und das Umfeld von entscheidendem Vorteil sein kann, wenn die Unterstützung im Kindesalter erfolgt und nicht erst im Jugendalter.

Alle an der Behandlung beteiligten Personen beherrschen oder lernen LBG (Lautsprachbegeleitende Gebärden). Das Team besteht aus Ärzten, Psychologen, Pädagogen, Schwestern und Erziehern. Außerdem sind Ergotherapeuten, Musik- und Physiotherapeuten an der Behandlung beteiligt. Jährlich wird das Personal durch gehörlose Gebärdensprachdozenten weiter geschult.

Behandlungskonzept

Unser Behandlungskonzept ist integrativ ausgerichtet mit einem verhaltenstherapeutischen Schwerpunkt. Je nach Störungsbild oder Erkrankung kommen auch tiefenpsychologische, systemisch-familientherapeutische Verfahren zum Einsatz.
Die Hörgeschädigten nehmen mit hörenden Kindern und Jugendlichen zusammen an den Therapien teil, leben, lernen und spielen gemeinsam. Während des Aufenthaltes lernen Hörende Kinder und Jugendliche gemeinsam mit und von den hörgeschädigten Patienten Lautsprachbegeleitende Gebärden bzw. Elemente der Gebärdensprache.

Wir behandeln

  • Entwicklungsstörungen
  • Aufmerksamkeitsstörungen, Lernstörungen,. Teilleistungsstörungen
  • Anpassungsstörungen , Störungen des Sozialverhaltens
  • Ängste, Depressionen, Zwänge
  • Psychosen, affektive Störungen, Autismus
  • psychosomatische Erkrankungen, wie z.B. Essstörungen (Anorexie, Bulimie)  
  • neurologische Erkrankungen, wie z.B. Anfallsleiden

Eltern, Lehrer, Psychologen und Pädagogen der Internate und Heime werden in die Behandlung einbezogen. Um eine angemessene Beschulung sicherzustellen, sind 2 Hörgeschädigtenpädagogen (Frau Lohe und Herr Kölsch) angestellt, die als Teil des therapeutischen Teams Einzel- und Kleingruppenunterricht, Diagnostik und therapeutische Angebote durchführen. Zusätzlich kommt 1 x wöchentlich eine Sonderpädagogin aus dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte Halberstadt.

Es besteht eine integrative Behandlung Hörender und Hörgeschädigter mit dem Streben Inklusion zu erreichen. Gehörlose, schwerhörige und hörende Kinder und Jugendliche sollen sich auf Augenhöhe begegnen können z.B. im Stationsalltag oder bei Körpertherapien oder Kreativtherapien bei denen sprachlicher Ausdruck nicht immer im Vordergrund stehen. Beim multiprofessionellen Personal sind Kenntnisse in LBG oder DGS vorhanden.
Neben regelmäßigen Einzel- und Gruppentherapiestunden stehen den hörgeschädigten zusammen mit den hörenden Kindern und Jugendlichen folgende Therapien zur Verfügung:

  • Rollenspiel, einschließlich Selbstsicherheitstraining
  • Musiktherapie
  • Psychomotorische Übungen
  • Ergotherapie
  • Logopädische Behandlung
  • Arbeitstherapie
  • Malen
  • Schmiertherapie
  • Integrative Psychologische Therapie (IPT)
  • Kraftsport
  • Bibliotherapie
  • Entspannung (progressive Muskelrelaxation)
  • Reiten
  • Töpfern
  • Wasserbett
  • Snoezelen
  • Werken
  • Verschiedene Möglichkeiten der sportlichen Betätigung
  • Arbeitstherapie (Druckerei, Polsterei, Gärtnerei u.a.)

Spezielle Angebote gibt es für gehörlose und schwerhörige Patienten

Individueller Einzel- und Kleinstgruppenunterricht durch Hörgeschädigtenpädagogen unter Berücksichtigung des sonderpädagogischen Förderbedarfes, dabei stehen Wiedererlernen von Motivation und Freude am Lernen, Erarbeiten von Wissen und vor allem Stärkung des Selbstvertrauens und Selbstbewusstseins unter Einsatz von Medien und Gebärdensprache im Vordergrund.

Montagsgruppe“ stationsübergreifendes Treffen von Gehörlosen und Schwerhörigen. Im Mittelpunkt stehen Austausch, Identitätsfindung, Gehörlosenkultur,  Umgang mit eigener Hörschädigung, Förderung der visuellen Wahrnehmung und des Gebärdensprachniveaus. Patenschaften zwischen jüngeren und älteren Patienten können entstehen.

Telefon-  bzw. Sms-  oder Faxzeiten bestehen für die hörgeschädigten Kinder und Jugendlichen wöchentliche Chatmöglichkeit (ooVoo, skype)mit Eltern oder Heimen.

Allgemeine Chatsprechstunde für Eltern oder am Angebot der Klinik Interessierte gibt es dienstags zwischen 10 bis 11 Uhr

Ablauf einer Behandlung

Der Erstkontakt vor Ort erfolgt durch ein Ambulanzgespräch mit Überweisung vom Haus-oder Kinderarzt. Hier wird die Indikation zur Behandlung des Kindes oder des Jugendlichen gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten abgeklärt und der Weg der Aufnahme besprochen. In diesem Gespräch wird die Anamnese durch die Abteilungsleitende Ärztin erhoben und geklärt ob eine stationäre Behandlung sinnvoll ist und von dem Jugendlichen und/oder den Eltern gewünscht wird.

Nach dem Gespräch findet eine Führung durch die jeweiligen Häuser und Stationen statt, wobei konkrete Fragen des Jugendlichen, Kinder oder der Begleitpersonen beantwortet werden.

Ist die Entscheidung für eine stationäre Aufnahme gefallen, wir ein Aufnahmetermin vereinbart. Dabei kann es im Einzelfall zu Wartezeiten von ca 1 bis 3 Monaten kommen.

Erfolgt die Aufnahme die jeweils unter Anwesenheit der Sorgeberechtigten durch Einweisung vom Haus- oder Kinderarzt stattfindet, bleiben unsere Patienten durchschnittlich 2 bis 3 Monate; je nach Behandlungsverlauf werden Belastungserprobungen eingeplant.