Station 58C - Horizont

Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit psychosomatischen Erkrankungen und Depressionen (tiefenpsychologisch fundierte, analytisch orientierte Psychotherapie)
11 Behandlungsplätze

Liebe Kinder, liebe Jugendliche und liebe Eltern,

vielleicht kennt Ihr die Situation, in der Euch körperliche Beschwerden wie Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Übelkeit daran hindern, zur Schule zu gehen und das zu tun, was Euch eigentlich Spaß macht. Vielleicht habt ihr aber auch den Spaß an vielen Dingen verloren, seid häufig traurig, macht weniger mit Freunden, zweifelt an Euch selbst und habt das Gefühl, dass Euch das Leben zu viel wird. Einige von Euch kennen vielleicht auch intensive Ängste oder kennen wiederkehrende Verhaltensweisen, die für andere unverständlich und komisch sind, die Ihr aber nicht kontrollieren könnt und die Euch in Eurem Alltag sehr einschränken. Manche von Euch haben womöglich das Gefühl, zu dick zu sein, mögen ihren Körper nicht und haben daraufhin ihr Essverhalten verändert und vielleicht abgenommen. Solltet Ihr solche oder ähnliche Situationen kennen, dann seid Ihr ganz richtig bei uns.

Wir, auf der Station Horizont (58c), sind ein bunt gemischtes Team aus Krankenschwestern, Krankenpflegern, Ärzten, Psychologen und Sozialpädagogen, die sich auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit psychosomatischen Erkrankungen (Essstörungen, Einnässen, Einkoten, Kopfschmerzen u. a.), Depressionen sowie Angst- und Zwangsstörungen spezialisiert haben (zum Behandlungskonzept von Essstörungen siehe hier). Zu unserem Team gehören außerdem Physiotherapeuten, Musiktherapeuten und Ergotherapeuten.

Unser Verständnis von psychischen Erkrankungen

Wir gehen davon aus, dass Eure Beschwerden eine Bedeutung haben und sich hinter ihnen innere Konflikte und Gefühle verbergen, die nicht bewusst sind, die aber verstanden und wahrgenommen werden wollen. Diese haben häufig mit der individuellen Entwicklungsgeschichte des Einzelnen zu tun, die immer mit Herausforderungen gespickt ist. Von besonderer Wichtigkeit sind dabei die Beziehungen zu Eltern, Großeltern und Freunden, die nicht selten während einer psychischen Erkrankung belastet sind. Das Verstehen und Bearbeiten der inneren und der Beziehungskonflikte ist nicht immer ganz leicht und häufig tut es auch weh, dort genauer hinzusehen. Im Rahmen der stationären Behandlung auf unserer Station begleiten wir Euch bei diesem Prozess und geben Euch die Zeit und die Möglichkeit, Euch selbst besser kennenzulernen, neue Bewältigungsweisen zu erlernen und zur persönlichen Reifung. Es soll darum gehen Euren eigenen Horizont zu erweitern. Eure Initiative ist dabei gefragt und entscheidend für den Therapieerfolg.

  • Vor der Aufnahme

    Vor der Aufnahme

    Die Behandlung beginnt bei uns i. d. R. mit einem ambulanten Vorgespräch, bei dem die aktuellen Beschwerden sowie die momentane Lebenssituation besprochen werden und es Gelegenheit gibt, das Behandlungsteam und die Station kennenzulernen. Es wird abgewogen, ob eine stationäre Behandlung sinnvoll ist, besprochen, wann diese beginnen kann oder welche anderen Behandlungsformen in Frage kommen.
    Manchmal fällt es Kindern und Jugendlichen sehr schwer, den Schritt in eine Klinik zu wagen und sich für eine Behandlung zu entscheiden, was den Schritt oft auch zusätzlich belastend für die Eltern macht. Gerne stehen wir Ihnen dabei beratend und unterstützend zur Seite.

  • Die stationäre Behandlung

    Der stationäre Aufenthalt beginnt mit einem Aufnahmegespräch, dass von dem Therapeuten durchgeführt wird, der Euch während der gesamten Zeit begleitet. Es erfolgt eine ausführliche Erfragung der Entwicklungsgeschichte und in den ersten Tagen führen wir eine gründliche psychologische und körperliche Diagnostik durch.

    Zu Beginn steht das Kennenlernen und Einleben in den Stationsalltag im Vordergrund, der bei uns sehr strukturiert und verlässlich ist. Rund um die Uhr habt Ihr hier einen Ansprechpartner. Jeder hat in der Gemeinschaft, aber auch alleine Aufgaben zu übernehmen, damit das Zusammenleben gelingt. Gemeinsam mit dem Pflegepersonal gibt es im Alltag viele Möglichkeiten, sich auszudrücken und sich neu kennenzulernen, z.B. in der Mal- und, Spieltherapie, dem Märchenspiel oder bei den Box- und Kampfspielen. Zudem sind uns sportliche Aktivitäten und Entspannung (Phantasiereisen, Autogenes-Training oder Aromatherapie) sehr wichtig. Individuell wird auch Ohrakupunktur angewandt. Den Alltag begleitet eine Sozialtherapie, die Euch in lebenspraktischen Dingen, wie z.B. Einkaufen, schulen soll. 

    Wenn ihr Euch eingelebt habt, erfolgt der schrittweise Einstieg in die weiteren Therapieangebote. Hier bieten Spezialtherapeuten u. a. Musik-, Physio-, Ergo- oder Reittherapie an. Im sozialen Kompetenztraining lernt Ihr darüber hinaus Strategien zur Konfliktlösung oder, wie man sich angemessenen auseinandersetzen kann.

    Wöchentliche Einzelgespräche bieten Euch die Möglichkeit, gemeinsam mit Eurem Therapeuten die bestehenden Probleme zu verstehen, unangenehme und unbekannte Gefühle zu erspüren und Veränderungen anzustreben. Dabei nutzen wir Eure individuellen Stärken und persönlichen Fähigkeiten und holen Euch dort ab, wo Ihr steht. 

    Zweimal in der Woche finden Gruppengespräche statt, in denen ebenfalls das Erleben von bewussten und unbewussten Gefühlen und das Verstehen von inneren und äußeren Konflikten im Mittelpunkt stehen. Innere Konflikte sind Konflikte, die Ihr in Euch tragt. Äußere Konflikte sind Konflikte, die in Eurem privatem Umfeld und im Stationsleben auftreten. Hier gibt es die Möglichkeit, sich Rückmeldungen von Gleichaltrigen zu holen und die Perspektive von anderen kennenzulernen, um die eigene Situation auch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu können. Ähnlich geht es im Handpuppenspiel zu, wo schwierige Situationen mit Handpuppen nachgespielt und in der Gruppe besprochen werden.

    Auch wenn die Aufmerksamkeit während der stationären Behandlung auf Genesung und Entwicklung gerichtet ist, besucht Ihr stundenweise unsere Klinikschule. In den Ferien gestalten wir gemeinsam mit Euch kreativ und abwechslungsreich die freie Zeit durch kleine Ausflüge und Veranstaltungen auf der Station. Für Jugendliche, die bereits einen Schulabschluss haben, gibt es die Möglichkeiten von vielseitigen Praktika und von Arbeitstherapieangeboten.

  • Unsere ergänzenden Therapien

    • Märchenspiel
      Das Märchenspiel findet 1x in der Woche statt. Märchen haben einen großen symbolischen Wert, der leider in unserer Zeit wenig Beachtung findet. Märchen geben über verschlüsselte Handlungen zu erkennen, welche Erfahrungen notwendig sind, den eigenen Charakter weiterzuentwickeln. Sie zeigen, dass es sich lohnt, sich auf einen beschwerlichen und ungewissen Weg zu begeben, um zum Ziel und zu sich selbst zu finden.
    • Musiktherapie
      Ziel der Musiktherapie, in mindestens 1x in der Woche als Einzel- oder Gruppenpsychotherapie stattfindet, ist das Ansprechen der leiblich-seelischen-geistigen Ganzheit des Menschen, das Berühren des inneren Erlebens sowie das Herstellen einer Beziehung zum eigenen Körper.
    • Physiotherapie
      Die Physiotherapie findet 2x in der Woche entweder als Einzel- oder Gruppentherapie statt. In der Einzeltherapie geht es z. B. um das Trainieren der Körperwahrnehmung und um die besonders bei Essstörungen vorhandene Körperschemastörung abzubauen. Die Kommunikative Bewegungstherapie bietet die Möglichkeit sich selbst und andere besser wahrnehmen sowie Hemmungen und Blockierungen abzubauen. Seelische Störungen finden oft in einer gestörten Körperlichkeit (Muskelpanzer) ihren Ausdruck. Über das Lösen der Muskelverspannungen und der Gehemmtheit werden die verursachenden seelischen Konflikte bewusst.
    • Spieltherapie
      Das freie Spiel dient der Lockerung besonders bei motorisch gehemmten Kindern. Motorische Verspannungen können sich beim Schmieren, Moddern im Sandbecken, Planschen im Schwimmbecken, Sportspielen u. a. lösen. Frohes Spielen ist das beste Antidepressivum. Die Kinder und Jugendlichen lernen Kontakt zu anderen aufzunehmen und sich in die Gemeinschaft einzugliedern. Die Spieltherapie führen wir 2x in der Woche durch.
    • Maltherapie
      Malen ist nicht nur der Ausdruck des Naturerlebens eines Menschen, sondern auch Ausdruck seiner selbst. Deshalb ist die Maltherapie eine gute Möglichkeit , sich mit inneren Vorstellungen und Phantasien auseinanderzusetzen. Sie findet einmal in der Woche als Gruppentherapie statt.
    • Werktherapie
      Die Werktherapie findet mehrmals in der Woche statt und befasst sich mit planmäßigem, handwerklichem Gestalten unterschiedlicher Materialien.
    • Gestaltungstherapie
      Die Gestaltungstherapie soll die Phantasie und Kreativität durch Basteln anregen und fördern.
    • Sportgruppe und Reiten
      Hierbei geht es um das Lösen von motorischen Gehemmtheiten und der damit verbundenen Einschränkung der Eigenaktivität sowie um die Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und um das Erwerben von Geschicklichkeit.
    • Meckervisite
      Die Meckervisite findet jeden Freitagnachmittag statt und bildet den Abschluss einer anstrengenden Woche. Die Meckervisite wird von einem Jugendlichen der Hortgruppe, einem Mitarbeiter des Pflege-und Erziehungsdienstes und einem Therapeuten geführt. Alle Mitglieder der Hortgruppe und ein Teil des Personals sind anwesend. Es wird Bilanz gezogen über den Ablauf der vergangenen Woche und Pläne für die nächste Woche geschmiedet. Ungeklärte Konflikte, Beschwerden und angenehme Dinge können besprochen werden. Die Gedanken jedes Anwesenden sind gefragt.

  • Mitarbeit der Eltern

    Darüberhinaus ist die Mitarbeit der Eltern ein zentraler Bestandteil unseres Behandlungskonzeptes. Der Erfolg einer Psychotherapie ist bei Kindern wesentlich davon abhängig, wie eine Veränderung der Beziehungen innerhalb der Familie, insbesondere zwischen den Kindern und Jugendlichen und ihren Bezugspersonen (Eltern) gelingt. Sie als Eltern, die Ihre Kinder vorstellen, haben subjektiv Ihr Bestes für Ihre Kinder getan, eventuell sogar über Ihre eigene Belastungsgrenze hinaus. Auch Ihnen ist der Konflikt innerhalb ihrer Beziehungen nicht bewusst. So ist es auch für Sie als Eltern oft schmerzhaft und manchmal unerträglich, sich bewusst zu werden, dass eine Störung innerhalb der Beziehung zu Ihrem geliebten Kind eine wichtige Rolle bei der Erkrankung spielt. Im Rahmen von regelmäßigen Familiengesprächen und Elterngruppen bieten wir Ihnen in einer wertschätzenden Atmosphäre den Raum, eigene Anteile zu verstehen und eigenes Verhalten zu reflektieren.

  • Kontakt zu den Eltern

    Die Beziehung zu den Eltern wird durch tägliche Telefonate, Briefeschreiben, Besuchszeiten und Belastungserprobungen (Übernachtungen im familiären Haushalt) gefördert und intensiviert. Zum Ende der Behandlung nimmt die  Zeit mit den Eltern/Familien zu, um die Stabilität der Veränderungen in alltäglichen Belastungen zu erproben.

  • Wie geht es nach der Therapie weiter?

    Im Anschluss an eine stationäre Behandlung kommt es i. d. R. zu einer ambulanten Nachbehandlung. Diese findet bei einem niedergelassenen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder durch den behandelnden Therapeuten unserer Klinik  im Rahmen unserer Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) statt.

Sollten Sie als Familie Hilfe benötigen und sich von unserer Station angesprochen fühlen, nehmen Sie einfach Kontakt zu uns auf!

Ihr Stationsteam der 58C