Familienzeit. Spielezeit. Beste Zeit.

von Cornelia Heller

Gemütlich und warm werden die Abende sein, an denen viele Familien jetzt wieder zusammensitzen. Die dunkleren Wintermonate – sie sind die Zeit des gemeinsamen Spiels. Es wird „Monopoly“ aus dem Schrank geholt und gespielt, als ginge es um das wahre Leben: Straßen kaufen? Häuser bauen? Geld einsetzen oder besser behalten? Die Spannung steigt, die Wangen glühen. Und die Zeit, sie gleitet dahin. Bald schon wird der Erste verlieren und weitere werden folgen. Nur einer kann der Sieger sein, so ist es eben. Es wird gelacht. Und ja: Es wird sich auch geärgert, das gehört dazu. Aber am Ende wird es sich gut anfühlen, weil alle gewonnen haben: Familienzeit. Spielezeit. Beste Zeit.

Eine schöne Vorstellung, wie sie sich Pädagogen und Erzieher in Familien landauf, landab wünschen. Denn es ist eigentlich eine Binsenweisheit, die – danach gefragt – Corina Vogler gern weitergibt: „Spiele, insbesondere Gesellschaftsspiele, haben einen hohen, nicht zu unterschätzenden Stellenwert in der Entwicklung und Förderung von Kindern und Jugendlichen“. Die staatlich anerkannte Erzieherin und Familienhelferin der Salus gGmbH sieht es in ihrem Arbeitsalltag bestätigt: „Beim Spielen können Kinder ihrer Phantasie und Kreativität freien Lauf lassen. Sie üben Sprache, Rede und Gegenrede, den Umgang mit anderen, aber ebenso Fingerfertigkeit und Geschick. Außerdem sind Geduld, Ausdauer, Konflikt- und Kompromissfähigkeit, natürlich Konzentration, Merkfähigkeit gefragt ...“ Sie hält kurz inne, um Luft zu holen. „Es sind so viele wertvolle Aspekte, die das gemeinsame Spiel auf sich vereinigt. Einer der wichtigsten ist der Zusammenhalt in der Gruppe. Dieses Gefühl von Geborgenheit und des ‚Angenommenseins’ macht Kinder fürs Leben stark.“

Das weiß auch Katrin Göttert, die bei Salus als Erzieherin und Heilpädagogin arbeitet, die jedoch wie ihre Kollegin täglich andere Wirklichkeiten sieht: „Viele Kinder können nicht mehr spielen, schon gar nicht gemeinsam mit anderen. Sie sind es von Zuhause gewohnt, sich überwiegend allein vor dem Fernseher, mit dem Computer oder dem Smartphone zu beschäftigen.“ Nicht wenige Eltern schauten weg, manche wüssten es nicht besser. „Deshalb ist es unsere Aufgabe, Eltern wie Kindern zu zeigen, wie das geht.“

So will Spielen mit all seinen Regeln und Grenzen – so ungewöhnlich es klingt – gelernt sein. Mancher Knirps schaut zunächst nur skeptisch zu, wenn bei Katrin Göttert in der Gruppe oder gemeinsam mit Corina Vogler zu Haus bei den Familien Spielen geübt wird.  „Andere überwinden ihre Scheu schneller und die Neugierde siegt“, beschreiben die Erzieherinnen ihre Erfahrung. „Je länger und öfter gespielt wird, umso mehr trainieren die Kinder und Jugendlichen mit Spaß und Freude die vielfältigsten Kompetenzen.“ Nicht zuletzt auch ihre seelische und körperliche Widerstandskraft im Umgang mit Niederlagen: Psychologen sprechen von Resilienz, die bestärkt, Krisen und Ausnahmesituationen des Lebens besser zu bewältigen. Zudem bringt geselliges Spiel Struktur in den Alltag. Auf Rituale wie einen verlässlich-regelmäßigen gemeinsamen Spieleabend in der Woche kann sich die ganze Familie freuen. Sie sind zudem ein überzeugendes Argument, dass der Fernseher auch mal ausbleiben kann.

Ob Backgammon, Halma oder Dame – Gesellschaftsspiel heute kann ebenso konventionell wie auch digital am Computer gespielt werden. Diese technische Entwicklung zu akzeptieren und mitzugehen, fällt den Älteren mitunter schwer. Doch Kinder sind hineingeboren in unsere digitale Welt und somit ihre „Ureinwohner“. Hier sind sie die Schlauen, während Erwachsene dort lediglich „Einwanderer“ und damit zuweilen überfordert sind. So sollten sich Eltern von ihrem Nachwuchs viel öfter Computer- und Videospiele und deren Regeln erklären lassen. Dieser Positionswechsel stärkt zudem das Selbstwertgefühl des Kindes. „Nur gemeinsam kann Zusammenhalt, vertrauensvolles Miteinander und auch ein innerfamiliärer Dialog wachsen“, sagt Katrin Göttert mit Überzeugung, die selbst – da ist sie ganz ehrlich – auch lieber mit dem Würfel in der Hand als mit dem Joystick hantiert. „Wichtig sind Nähe, Zuwendung und zeitliche Spielbegrenzung, um die Kinder in einem vielfältig-komplexen und stetig wachsenden Kosmos virtueller Realitäten nicht allein und sich verlieren zu lassen.“  So komme es – analog oder digital – immer auf das rechte Maß beim Spielen an. Und zu guter Letzt doch um den Gewinn der gemeinsam verbrachten Zeit. Welche Lust.

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Spielen ist ein Multitalent

Spielen kann jeder, es ist unabhängig von Alter, Herkunft, Kultur und Sprache.

Dabei ist es ein richtiges Allround-Talent: Christoph Plock, Pädagoge bei Salus, zufolge trainiert gemeinsames Spielen Wahrnehmung, Motorik und aktive Problemlösung.

Auch Konzentrations- und Merkfähigkeit, logisch-strategisches Denkvermögen, Kreativität und Phantasie werden durch das Spiel geschult.

Spielen macht also nicht nur Spaß, es fördert außerdem die Entwicklung der Kinder und vermittelt verschiedenste Kernkompetenzen.

Während sie ihrer Phantasie und Kreativität freien Lauf lassen, üben die Heranwachsenden laut Corina Vogler, staatlich anerkannte Erzieherin und Familienhelferin bei Salus, unter anderem die Sprache, den Umgang und den Zusammenhalt in der Gruppe, gegenseitige Akzeptanz, aber auch Konflikt- und Kompromissfähigkeit sowie mit Niederlagen umzugehen.

Erzieherin und Heilpädagogin Katrin Göttert rät Eltern, sich hin und wieder Computer- und Videospiele sowie deren Regeln erklären zu lassen. Das verschafft nicht nur Verständnis, es stärkt durch den Positionswechsel zudem das Selbstwertgefühl des Kindes.

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