Borderline-Störung

Das Borderline-Syndrom gehört nach dem heutigen Stand der Wissenschaft zu den Persönlichkeitsstörungen. Es handelt sich um eine Störung der Gefühlsregulationen.  Betroffene leiden unter äußerst belastenden, oft als unerträglich empfundenen  Anspannungszuständen.

Wichtigste Fragen zur Borderline Störung

  • Was sind die Anzeichen einer Borderline-Störung?

    Die Betroffenen nehmen wahr, dass sie ständig extrem angespannt sind. Diese Anspannungszustände werden als unerträglich, zum „aus der Haut fahren“ erlebt und treten ohne äußeren Anlass auf. Reduziert werden diese Spannungszustände vielfach durch selbstschädigendes Verhalten, z. B. in Form von Schneiden oder Schlagen, Betäubung durch Alkohol oder Drogen, Randalieren oder Wutanfälle. Typisch sind ausgeprägte Stimmungsschwankungen, die als „Achterbahn der Gefühle“ beschrieben werden. Es bestehen Schwierigkeiten im Umgang mit negativen Emotionen wie Wut, Ärger, Angst oder Traurigkeit. Die Betroffenen haben meistens das Gefühl, dass ihnen schlimmere Dinge passieren als anderen und sie ständig im totalen Chaos leben. Sie erleben unerträgliche Gefühle der inneren Leere, empfinden inneres Grauen und einen hohlen Kern. Zum Störungsbild gehören auch Schwierigkeiten, stabile und zufriedenstellende Beziehungen über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Oft sehnen sich diese Menschen auf der einen Seite nach Nähe. Kommt ihnen der Partner aber zu nah, stoßen sie ihn weg. Es besteht eine ausgeprägte Angst davor, verlassen zu werden. Daraus folgen häufig Eifersucht auf den Partner sowie die Angst, allein zu sein.
    Grundsätzlich weiß man heute, dass Borderline-Patienten immer ein etwas höheres Anspannungsniveau haben als gesunde Menschen. Grob gesagt heißt das: Die Betroffenen sind extrem sensibel für emotionale körperliche und zwischenmenschliche Spannungen bei einer sehr geringen Spannungstoleranz. Sie können solche Situationen schlecht ertragen, haben gewissermaßen keinen inneren Reizschutz und können ihren Gefühlen nicht unmittelbar durch Worte Ausdruck verleihen. Oft empfinden die Patienten das Zeigen von Gefühlen als Schwäche und sind darum stets bemüht, jegliches Gefühlsleben nicht zu zeigen, sondern sich auch selbst abzuspalten. Ein großer Teil der Energien wird darauf verwendet, Gefühle niederzuhalten, sie zu unterdrücken, nicht nach außen dringen zu lassen.

  • Was sind die Ursachen einer Borderline-Störung?

    Grundsätzlich ist von einem Zusammenwirken von genetischen und biopsychosozialen Faktoren auszugehen. Das heißt: Frühe Traumatisierung, typischerweise sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt sowie Vernachlässigung im Binnenraum der Familie in der frühesten Kindheit, spielen neben  neurobiologische Anlagen eine wichtige Rolle. In der Tat findet man bei etwa 70 Prozent der Betroffenen frühe Erfahrungen von Missbrauch oder Vernachlässigung. Unter den biologischen Faktoren versteht man sowohl die genetischen Einflüsse als auch ungünstige Bedingungen in der Schwangerschaft, die die Entwicklung des Gehirns und des Nervensystems in der frühen Kindheit beeinflussen (z.B. Alkohol- und Drogenkonsum oder  Erkrankungen der Mutter, die mit einer Medikamenteneinnahme einhergehen; psychiatrische Vorerkrankungen in der Familie). Durch das Zusammenwirken der genannten Faktoren kommt es zu einer Störung der Gefühlsregulation. Es ist davon auszugehen, dass ein hypersensibles Nervensystem schon bei geringfügigen emotionalen Stimuli mit einem starken Erregungsanschub reagiert. Emotionen werden dann häufig nicht mehr differenziert wahrgenommen, sondern diffus wie ein „Gefühlsknäul“ erlebt. Diese Anspannung baut sich nur sehr langsam ab, kann im Extremfall über Stunden anhalten, was als äußerst unangenehm erlebt wird. Um diese Spannung zu reduzieren, greifen die Betroffenen als Bewältigungsstrategien zu selbstverletzendem Verhalten bis hin zu Suizidversuchen oder sie dissoziieren. Es besteht eine extrem sensible und unmittelbare Reaktionsbereitschaft auf emotionaler und körperlicher Ebene. Nach einer heftigen Reaktion sinkt das Anspannungsniveau nur sehr langsam wieder auf ein durchschnittliches Niveau.

  • Wie wird eine Borderline-Störung diagnostiziert?

    Das sehr komplexe Krankheitsbild der Borderline-Störung wird häufig erst nach langer Zeit erkannt. Viele Betroffene kommen zunächst wegen Depressionen, Angstzuständen, Problemen mit Alkohol oder Drogen oder aufgrund von Essstörungen in eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung.

    Um eine Borderline-Störung zu erkennen, orientieren sich aktuell viele Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychotherapeuten an den wissenschaftlichen Leitlinien und diagnostischen Kriterien der DSM V (Diagnostisches und statistisches Manual V der American Psychiatric Organisation). Es werden neun Kriterien für eine Borderline-Erkrankung aufgeführt, von denen fünf vorhanden sein müssen, um die Diagnose stellen zu können. Diese Kriterien wirken zunächst wenig zusammenhängend. Bei genauer Betrachtung merkt man, dass es sich grundsätzlich um ein durchgängiges Verhaltensmuster von Instabilität im Bereich der Stimmung, der zwischenmenschlichen Beziehung, des Selbstbildes sowie um eine ausgeprägte Impulsivität handelt. Der Beginn der Erkrankung liegt meist im frühen Erwachsenenalter und äußert sich in Suizidgedanken, Selbstverletzungen, Essstörungen, sozialen Rückzug, Aggressivität und Hochrisikoverhalten. Weiterhin können Drogen- und Alkoholmissbrauch auftreten. Typischerweise werden für die Diagnosesicherung nicht nur ein klinisches Interview, sondern auch psychologische Tests  durchgeführt.

  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    Früher ging man davon aus, dass die Behandlung der Borderline-Erkrankung sehr viel Zeit brauche, schwierig sei und kaum Erfolge zeige. Zudem wurde vermutet, dass Borderline gar keine Erkrankung im eigentlichen Sinne sei, sondern eine Charakterschwäche, an der man sowieso nichts ändern könne. Mittlerweile wurden neue Therapiemethoden entwickelt. Störungsspezifische Psychotherapie-Verfahren  haben die Prognose für eine Verbesserung der Lebensqualität deutlich gebessert. Allen vorausgehend hat sich die Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT) nach Marsha Linehan in Deutschland durchgesetzt. Dabei handelt es sich um ein spezielles Programm zur Behandlung der Borderline-Erkrankung. Frau Professor Marsha Linehan hat es auf Basis langjähriger Berufserfahrung mit suizidalen Patienten konzipiert. Dabei integriert sie Techniken verschiedenster Therapieschulen, wie z. B. der Verhaltenstherapie, der Gesprächstherapie und der Hypnotherapie. Daneben finden sich in diesem umfassenden Psychotherapieprogramm auch Teile der östlichen Lebensform wie z. B. die sogenannte innere Achtsamkeit. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, dass die DBT eine wirksame psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeit bei Borderline-Störungen ist. Es gibt kein zugelassenes Medikament zur Behandlung der Borderline-Störung. Es handelt sich um eine Domäne der Psychotherapie. Einige Medikamente können aber unterstützende Wirkungen haben, so zum Beispiel, wenn zugleich Schlafstörungen oder auch Depressionen diagnostiziert werden.

  • Welche Hilfen bietet Salus?

    Spezialisierte Angebote zur vollstationären Behandlung gibt es in den Salus-Fachklinika Bernburg und Uchtspringe.

    Im Fachklinikum Bernburg werden Patienten mit einer Borderline-Störung in der Klinik für Allgemeine Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik behandelt. In einer akuten Situation erfolgt zunächst die Aufnahme auf der geschützten Station P0/P1. Nach Besserung des Zustandes kann eine Verlegung auf die offene Station P3 erfolgen. Hier besteht das Angebot einer störungsspezifischen psychotherapeutischen Behandlung. Eine weitere Stabilisierung ist innerhalb der Tagesklinik möglich. Die Nachsorge kann über die klinikeigene Ambulanz  erfolgen. Ergänzend besteht die Möglichkeit der ambulanten psychiatrischen Pflege. Sowohl während der stationären als auch bei der tagesklinischen Behandlung und der ambulanten Nachsorge werden die Patienten in allen Belangen umfassend unterstützt.

    Dies gilt auch für die Versorgungsangebote des Salus-Fachklinikums Uchtspringe, wo Borderline-Störungen in der Klinik für Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie mit den entsprechenden Stationen und Spezialisierungen  behandelt werden können. Ergänzt wird das therapeutische Spektrum durch die Tageskliniken in Stendal, Salzwedel und Seehausen sowie die Angebote der psychiatrischen Institutsambulanzen. Unterstützung im häuslichen Umfeld ist in der Altmark-Region durch den ambulanten psychiatrischen Pflegedienst möglich.

    Ambulante fachärztliche Hilfe bieten auch die Medizinischen Versorgungszentren der Salus-Praxis in Bernburg, Magdeburg, Oebisfelde und Stendal.

Autorin

Dr. med. Antje Möhlig, Fachklinikum Bernburg

Hinweis

Dieser Artikel enthält allgemeine Hinweise und erhebt nicht den Anspruch, alle Facetten der komplexen Thematik zu beleuchten. Er darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden und  kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.