Schizophrenie: Geheimnisvoller Begleiter

Bei der Schizophrenie handelt es sich um eine schwere psychische Erkrankung, welche sehr belastend und meist nicht aus eigener Kraft zu bewältigen ist. Sie zählt zu den sogenannten Psychosen. Leider herrschen noch immer Unwissenheit und irrige Vorstellungen über diese Erkrankung vor. So wird oft von einer gespaltenen Persönlichkeit gesprochen oder es wird angenommen, die betroffenen Menschen seien schwachsinnig. Das ist ganz klar ein Irrtum. Richtig hingegen ist, dass es bei einer Schizophrenie zu einer Vielzahl von Symptomen kommt, die individuell unterschiedlich sein können. Grundlegend für alle Formen sind eine gestörte Realitätswahrnehmung und -beurteilung. Häufig kommt es zu irrealen Eindrücken und Gedanken. Ebenfalls beeinträchtigt sind das Denken, Wollen, Fühlen und Handeln der Menschen, oft sind auch Antrieb und soziales Verhalten betroffen. Meist geht der ersten Akutphase eine mehrjährige Phase mit verschiedenen, eher unspezifischen Symptomen voraus.

Wichtigste Fragen zur Schizophrenie

  • Was sind die Anzeichen einer Schizophrenie?

    In erster Linie sind hier Halluzinationen und Wahnvorstellungen zu nennen. Unter einer Halluzination versteht man eine Sinnestäuschung: Etwas wird im Außen wahrgenommen ohne dass dies tatsächlich vorhanden ist. Häufig ist hierbei das Hören von Stimmen, aber auch das Sehen nicht vorhandener Dinge oder das Wahrnehmen irrealer Gerüche. Leidet ein Mensch unter einer Wahnvorstellung, so ist er absolut überzeugt von Dingen, die gar nicht wahr sein können. Einige Menschen fühlen sich z. B. verfolgt oder beobachtet. Andere wiederum meinen, sie würden über das Fernsehen oder Radio direkt beeinflusst, eine andere Person gebe ihm Gedanken ein oder sie seien eine besondere Persönlichkeit. Neben diesen Symptomen gibt es noch eine Vielzahl weiterer Krankheitszeichen. So sind meist die Denkprozesse gestört: Gedanken reißen ab oder das Denken ist durcheinander, die Konzentration, z. B. beim Lesen eines Buches oder beim Sehen einer Fernsehsendung, ist herabgesetzt. Häufig schwinden Interesse und Energie für die Dinge des täglichen Lebens. Selbst einfache Aufgaben, wie z. B. das morgendliche Aufstehen, bereiten Schwierigkeiten. Viele Betroffene ziehen sich zurück, meiden andere Menschen, können schwer in Kontakt gehen und erleben sich als isoliert. Freunde und Familie werden vernachlässigt. Oft ist der Alltag geprägt von Missverständnissen und Misstrauen, was nicht selten zu Streitereien führt. Es treten Ängste, Nervosität und Unruhe auf. Zeitweise kommt es sogar zu heftiger Erregung. Menschen mit dieser Erkrankung fühlen sich teilweise niedergeschlagen, sind oft verzweifelt und haben Zukunftsängste.

    Schizophrenien verlaufen meist ähnlich. In der Regel kommt es zunächst zu einer Tage bis Wochen oder sogar Jahre andauernden Phase mit sogenannten Frühwarnzeichen. In dieser Zeit spüren die Betroffenen häufig, dass etwas nicht stimmt, anders ist. Auch Außenstehende bemerken Veränderungen: sozialer Rückzug, Interessen- und Energieverlust, Beziehungsprobleme und Kontaktabbrüche, gedrückte Stimmung und Schlafstörungen, merkwürdiges Verhalten und Nachlassen der Leistungsfähigkeit. Erst dann kommt es typischerweise zur sogenannten akuten Phase mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen. In dieser Phase sind die Betroffenen oft sehr misstrauisch und sehr leicht erregbar, angespannt und gereizt. Das Denken einschließlich der Realitätswahrnehmung und –beurteilung ist deutlich gestört. Meist setzt in dieser Phase die Behandlung ein. Die akuten Symptome, wie z. B. Stimmenhören oder das Sehen nicht vorhandener Dinge, klingen ab. Dennoch bleiben noch über einen längeren Zeitraum Beschwerden wie Lust- und Interessenlosigkeit, Antriebsmangel, Denkschwierigkeiten und Konzentrationsminderung bestehen.

  • Was sind die Ursachen einer Schizophrenie?

    Zunächst einmal möchten wir betonen, dass weder der Betroffene noch andere Menschen schuld an der Erkrankung sind. Ursächlich für eine Schizophrenie ist vielmehr ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die letztlich zu einem veränderten Hirnstoffwechsel führen. Zur Erklärung wird häufig das Vulnerabilitäts-Stress-Modell herangezogen. Vulnerabilität bedeutet hier eine erhöhte Verletzlichkeit oder Empfänglichkeit für Störungen. Damit ist gemeint, dass das Nervenkostüm oder besser der Hirnstoffwechsel auf Grund verschiedener Faktoren bereits verändert ist. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, zu erkranken. Zu diesen Faktoren zählt in erster Linie die erbliche Grundausstattung des Einzelnen. Hinzu kommen Störungen bei der Entwicklung des Gehirns z. B. durch Infektionskrankheiten der Mutter während der Schwangerschaft, Sauerstoffmangel bei der Geburt, Drogenkonsum in der frühen Jugend. Auch belastende lebensgeschichtliche Bedingungen oder Ereignisse in der Kindheit, wie z. B. mangelnde Nestwärme, der Verlust eines Elternteiles oder ungünstige soziale Bedingungen können die Hirnreifung negativ beeinflussen.
    Neben dieser Verletzlichkeit oder Anfälligkeit für die Entstehung einer Schizophrenie spielen beim Ausbruch der Erkrankung zusätzlich aktuelle Stressfaktoren und dauerhafte seelische Belastungen eine große Rolle: familiäre Schwierigkeiten, Schicksalsschläge, Lebensereignisse, Enttäuschungen. Aber auch der Mangel an Bewältigungsstrategien im Umgang mit derartigen Ereignissen und Bedingungen sind bedeutsam.

  • Wie wird eine Schizophrenie festgestellt?

    Gemeinsam mit dem Betroffenen und dessen Angehörigen stellt der Arzt eine möglichst passgenaue Diagnose. Hierfür sind zunächst ausführliche Gespräche erforderlich, gefolgt von weiteren diagnostischen Maßnahmen, z. B. Bildgebung des Kopfes (bildliche Darstellung des Gehirnes durch eine Aufnahme in der „Röhre“), Laboruntersuchungen und psychologische Testverfahren. Um zwischen den drei Formen der Schizophrenie (paranoide, katatone und hebephrene Schizophrenie) unterscheiden zu können, bezieht der Arzt viele detaillierte Informationen ein. Dies ist auch wichtig, da es psychiatrische Krankheitsbilder gibt, die denen der Schizophrenie durchaus ähnlich sind.

  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    Die Behandlung umfasst verschiedene Aspekte und bei allen ist die Mitarbeit des Betroffenen erforderlich.

    Die pharmakologische Therapie beinhaltet die Gabe von Medikamenten. Hier stehen die sogenannten Neuroleptika im Vordergrund. Sie wirken sowohl gegen Symptome wie Halluzinationen und Wahn als auch gegen Unruhe, Anspannung und Angst und können schlaffördernd sein. Die individuell erforderliche Dosis ist sehr verschieden. Meist wird in der akuten Phase der Erkrankung eine höhere Dosis erforderlich als zum Schutz vor Rückfällen. Eine Erhaltungsdosis ist in der Regel notwendig, um das Risiko für einen erneuten „Schub“ möglichst gering zu halten. Leider können Rückfälle dennoch nicht ausgeschlossen werden. Entgegen weitläufig verbreiteter Mutmaßungen machen Neuroleptika nicht abhängig. Wie bei anderen Medikamenten kann es aber auch hier zu unerwünschten Effekten kommen. Häufig verschwinden diese Nebenwirkungen nach einigen Tagen oder Wochen. Bei längerem Bestehen wird der Arzt alles versuchen, um eine Lösung für dieses Problem zu finden.

    Ein weiterer wichtiger Bestandteil bei der Behandlung ist die Psychotherapie. Hier geht es zum einen darum, möglichst viel über die Erkrankung zu erfahren und damit zum Experten „in eigener Sache“ zu werden. Hierfür bietet das Fachklinikum Bernburg eine entsprechende Gruppentherapie an (Edukationsgruppe). Zum Anderen werden Strategien zur Stressbewältigung erarbeitet und vermittelt. Hierzu gehört es etwa zu lernen, wieder auf Menschen zu zugehen, Konflikte zu lösen, sich durchzusetzen, mit den eigenen Kräften besser zu haushalten, andere Denk- und Sichtweisen zu entwickeln und das Selbstwertgefühl zu stärken. Die Patienten sollen lernen, an die krankheitsbedingten Probleme kompetenter, souveräner und gelassener heranzugehen. Dies erfolgt in Einzelgesprächen mit dem Arzt oder Psychologen und ebenfalls in Gruppentherapien zur Förderung der sozialen Kompetenz und in sogenannten Problemlösegruppen. Hier kommt vor allem die kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz, welche entsprechende Techniken zur Veränderung des Verhaltens und Denkens bereithält. Ergänzt wird dieses Angebot durch die Möglichkeit des Erlernens eines Entspannungsverfahrens (Progressive Muskelentspannung).

    Dritter Baustein der Behandlung sind die psychosozialen und ergänzenden Therapien. Hierzu zählen z. B. die Ergo- und Bewegungstherapie, die Kunsttherapie oder auch die Trainings zur Verbesserung von Konzentration und Denkleistung. Hierfür steht ein multiprofessionelles Team bestehend aus Ergo-, Physio- und Kunsttherapeuten zur Verfügung. Das Fachklinikum Bernburg bietet zusätzlich tiergestützte Therapie und verschiedene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung an. Der stationäre Aufenthalt in der Klinik bildet einen geschützten Rahmen, in gebessertem Zustand besteht für die Patienten die Möglichkeit, in eine Tagesklinik zu wechseln. Gemeinsam mit dem Betroffenen und den Angehörigen wird nach Möglichkeiten zur Stressreduktion und Wegen für die Rückkehr in den Alltag gesucht. Sozialarbeiter bieten Unterstützung in den Bereichen Wohnen, Finanzen, Arbeit und Freizeitgestaltung an. So kann z. B. eine passende Begegnungsstätte oder auch eine Selbsthilfegruppe gesucht oder vermittelt werden. Außerdem werden Kontakte zu anderen Sozialhilfeeinrichtungen hergestellt. Die nervenärztliche, psycho- und soziotherapeutische Behandlung kann nach dem stationären oder tagesklinischen Aufenthalt in der Institutsambulanzen der Salus-Fachklinika Bernburg und Uchtspringe fortgeführt werden.  Mit der ambulanten psychiatrischen Pflege wird zusätzlich eine noch relativ neue Form der Unterstützung angeboten, die nach der Entlassung in der vertrauten Häuslichkeit des Patienten stattfindet.

  • Wie kann man als Angehöriger die Behandlung unterstützen?

    Ist ein Familienmitglied an einer Schizophrenie erkrankt, ist es besonders wichtig, dass dieser Mensch durch die Angehörigen unterstützt wird. Dabei können folgende Hinweise hilfreich sein:  

    • Achten Sie auf Frühwarnzeichen der Erkrankung und eine regelmäßige Medikamenteneinnahme.
    • Bestärken Sie den Erkrankten, seine Arzttermine konsequent wahrzunehmen und eine angemessene Tagestruktur einzuhalten.
    • Vermeiden Sie Stress.
    • Informieren Sie sich umfassend über die Erkrankung und Ärzte/Krankenhäuser und sozialpsychiatrische Hilfsmöglichkeiten in der Umgebung.
    • Wenden Sie sich bei Schwierigkeiten selbst an den behandelnden Arzt.
    • Nutzen Sie Selbsthilfegruppen.
    • Ziehen Sie zusätzliche Informationsmöglichkeiten wie z. B. Online-Angebote oder Broschüren zu Rate.
  • Wie kann man eine Schizophrenie dem Umfeld vermitteln?

    Es ist eine persönliche Entscheidung, welche Menschen man bei einer Schizophrenie ins Vertrauen zieht. Wer eine psychische Krankheit offenbart, muss noch immer mit Unverständnis und Vorurteilen rechnen. Andererseits erschwert es die Behandlung, wenn die Erkrankung geheim gehalten wird und kann beim Kranken das Gefühl der Isolation verstärken. Das spricht dafür, zumindest einige nahestehende Menschen einzuweihen. Diese sollten wissen, dass die Schizophrenie eine ernsthafte Krankheit ist, die jedoch gut behandelt werden kann. Ob Offenheit am Arbeitsplatz möglich ist, hängt sehr vom Unternehmensklima und der Erfahrung des Vorgesetzten mit psychisch kranken Mitarbeitern ab.

  • Welche Hilfen bietet Salus?

    Im Salus-Fachklinikum Bernburg werden Patienten mit einer Schizophrenie in der Klinik für Allgemeine Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik behandelt. In einer akuten Situation erfolgt zunächst die Aufnahme auf der geschützten Station P0/P1. Nach Besserung des Zustandes ist eine Verlegung auf die offene Station P2 oder in die Tagesklinik möglich. Die Nachsorge kann über die klinikeigene Ambulanz  erfolgen. Ergänzend besteht die Möglichkeit der ambulanten psychiatrischen Pflege. Sowohl während der stationären als auch bei der tagesklinischen Behandlung und der ambulanten Nachsorge werden die Patienten in allen Belangen umfassend unterstützt.

    Dies gilt auch für die Versorgungsangebote des Salus-Fachklinikums Uchtspringe, wo schizophrene Erkrankungen in der Klinik für Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie mit den entsprechenden Stationen und Spezialisierungen  behandelt werden können. Ergänzt wird das therapeutische Spektrum durch die Tageskliniken in Stendal, Salzwedel und Seehausen sowie die Angebote der psychiatrischen Institutsambulanzen. Unterstützung im häuslichen Umfeld ist in der Altmark-Region durch den ambulanten psychiatrischen Pflegedienst möglich.

    Ambulante fachärztliche Hilfe bieten auch die Medizinischen Versorgungszentren der Salus-Praxis in Bernburg, Magdeburg, Oebisfelde und Stendal.

Autorin

Dipl.-Psychologin Franziska Rzesnitzek, Fachklinikum Bernburg

Hinweis

Dieser Artikel enthält allgemeine Hinweise und erhebt nicht den Anspruch, alle Facetten der komplexen Thematik zu beleuchten. Er darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden und  kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.