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Innovation: Telemedizinische Vernetzung mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Von rechts nach links: Die leitenden Oberärzte und Fachärzte für Neurologie Dr. med. Dirk Berfelde und Olga Krieger führen die Akutneurologische Behandlungseinheit im Kollegialsystem. Chefärztliche Verantwortung bei der Versorgung der Patienten tragen MU Dr. med. Detlev Böhm (Chefarzt der Klinik für Neurologie des Salus-Fachklinikums Uchtspringe) und Hjalmar Koppatz (Chefarzt der Klinik für Innere Medizin des Altmark-Klinikums Gardelegen). Foto: Altmark-Klinikum gGmbH
Telekonsil am Charité Campus Benjamin Franklin durch den Neurologen Dr. Hebun Erdur: Neben der direkten Befragung und Untersuchung des Patienten werden auch die Computertomografie-Bilder des Kopfes begutachtet. Foto: Charité – Universitätsmedizin Berlin

Gardelegen/Berlin. In der westlichen Altmark verbessert sich die Behandlungsqualität für neurologische Notfall-Patienten. Sie erhalten insbesondere bei Schlaganfällen fortan schneller und rund um die Uhr die notwendige hochspezialisierte Versorgung. Dafür wurde unter dem Dach der Klinik für Innere Medizin des Altmark-Klinikums Gardelegen in Kooperation mit der Neurologie des Salus-Fachklinikums Uchtspringe eine Akutneurologische Behandlungseinheit mit sechs Betten eingerichtet. 

Die neurologische Expertise wird im regulären Tagesdienst durch die leitenden Oberärzte und Fachärzte für Neurologie Olga Krieger und Dr. med. Dirk Berfelde geführt. Sie arbeiten gleichberechtigt im Kollegialsystem, flankiert durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen in Pflege und Fachtherapie. Dabei ist das Neuro-Team in der Altmark mit dem innovativen telemedizinischen Netzwerk ANNOTeM* unter Federführung der Charité – Universitätsmedizin Berlin verbunden. Dadurch ist ein Rund-um-die-Uhr-Telekonsildienst auf höchstem Facharzt-Standard gewährleistet, der insbesondere die Bereitschaftsdienste absichert. Ebenso wurden Voraussetzungen für die engmaschige Betreuung der Patienten an Wochenenden und Feiertagen geschaffen. Durch die ANNOTeM-Kooperation werden außerdem das konsequente Qualitätsmanagement sowie die fachspezifischen Fortbildungen in der Altmark unterstützt.  Perspektivisch wird eine Zertifizierung der Akutbehandlungseinheit als „Telemedizinisch Vernetzte Stroke Unit“ angestrebt.

„Akute neurologische Erkrankungen wie der Schlaganfall sind potenziell lebensgefährlich. Um bleibende Schäden oder gar den Tod zu verhindern, ist ein schnellstmöglicher Be-handlungsbeginn notwendig,“ erklärt der Neurologe Dr. med. Dirk Berfelde das enge Zeitfenster nach einem Schlaganfall. Es wird von Experten auch durch die Erfahrung „Time is brain – Zeit ist Gehirn“ auf den Punkt gebracht. „Je früher die Therapie einsetzt, desto besser sind die Chancen auf Rehabiliation und Erhalt von Lebensqualität.“ Hintergrund ist, dass etwa vier von fünf Schlaganfällen durch Blutgerinnsel in einer Hirnarterie ausgelöst werden. „Diese können oft durch die so genannte Lysebehandlung – d.h. die Infusion mit einem Enzym - aufgelöst werden“, erklärt die Fachärztin für Neurologie Olga Krieger.  „Je rascher der Blutfluss im Gehirn wieder normalisiert wird, umso geringer und reversibler sind die Schäden im Gehirn.“  Dafür sei in bestimmten Fällen von akutem Gefäßverschluss auch das mechanische Entfernen von Blutgerinnseln mit einem Katheter angezeigt. Dieses Verfa-ren wird von Experten als „interventionelle Thrombektomie“ bezeichnet.
Voraussetzung für die zügige und adäquate Behandlung ist in jedem Fall eine fundierte fachärztliche Diagnostik, die durch den Telekonsildienst der Charité rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr gesichert ist. „So kann auch jederzeit fundiert und schnell entschieden werden, ob vor Ort behandelt werden kann oder der Patient umgehend in ein spezialisiertes Zentrum  verlegt werden muss, wo - wie am Universitätsklinikum Magdeburg - zum Beispiel auch neuroradiologische Kompetenzen für die Thrombektomie vorhanden sind“, so Dr. Berfelde.   
 
„Akute neurologische Symptome wie Lähmungen, Sprach- und Bewusstseinsstörungen lassen sich audiovisuell gut beurteilen“, sagt ANNOTeM Projektleiter Professor Heinrich Audebert von der Charité. Auch CT- oder MRT- und Labordaten könnten sehr gut digital an die Experten übermittelt werden. „So lässt sich für die Patienten eine wohnortnahe Versorgung bei gleichzeitiger Anbindung an hochspezialisierte Einrichtungen gewährleisten“, so Audebert. Geplant sei, dass im Projektrahmen künftig auch Daten der Elektro-enzepholographie (EEG) telemedizinisch übermittelt werden. „Nachdem der Erfolg des telemedizinischen Konzepts bereits in der Schlaganfallversorgung nachgewiesen wurde, erfolgt die konsequente Erweiterung dieser Versorgungsform auf andere neurologische Notfallerkrankungen“, sagt Audebert.
In den angeschlossenen Krankenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und nunmehr auch in Sachsen-Anhalt können die Fachärzte vor Ort per Liveschaltung einen Spe-zialisten aus einem betreuenden Zentrum zuschalten. In den Koordinationszentren in Greifswald und Berlin laufen alle Patienteninformationen zusammen, rund um die Uhr ist hier ein Neurologe erreichbar. Die Experten unterstützen so telemedizinisch das Personal direkt am Krankenbett. Dabei werden Ärzte und Pflegekräfte auch flankierend zur  Akutbe-handlung durch ihre Zentrumspartner unterstützt. Es gibt ein umfangreiches Qualitätssiche-rungssystem, hinzu kommen Fortbildungen und Netzwerktreffen.

*Über ANNOTeM
Das Projekt „Akutneurologischen Versorgung in Nordostdeutschland mit telemedizinischer Unterstützung“ (ANNOTeM) beschreibt ein telemedizinisches Netzwerk, bei dem neurologische Maximalversorger mit regionalen Versorgungskliniken und den Rettungsdiensten zusammenarbeiten. Durch die teleneurologische Beratung, Einrichtung spezialisierter Neuro-Akuteinheiten, Optimierung von Notfallverlegungen, sowie Umsetzung eines konsequenten Qualitätsmanagements soll die Versorgung auf mehreren Ebenen verbessert werden. Die Anwendung der Telemedizin wird konsequent über den Schlaganfall hinaus auf andere neurologische Akuterkrankungen wie Meningitis, Querschnittssyndrome oder epileptische Anfälle ausgeweitet.   Das Projekt unter Konsortialführung der Charité – Universitätsmedizin Berlin wird mit rund sieben Millionen Euro aus dem Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gefördert.
Das Netzwerk besteht aus drei Maximalversorgungskliniken mit neurologischer High-End-Expertise (Charité -  Universitätsmedizin Berlin, BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin und Universitätsklinikum Greifswald) und dem Epilepsiezentrum Berlin-Brandenburg sowie 13 regionalen Versorgungskliniken in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg sowie jetzt erstmals auch in Sachsen-Anhalt.