Wie wir unsere Seele und unseren Körper gesund halten können. Im Gespräch mit Salus Psychologin Karina Baumbach.

von Nicole Recknagel

Fast jedes dritte Kind leidet knapp ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten. Ängste und Sorgen von Kindern und Jugendlichen und auch depressive Symptome nehmen weiterhin zu. Das zeigen die Ergebnisse der zweiten Befragung der COPSY-Studie. Deswegen haben wir mit unserer Dipl.-Psychologin Karina Baumbach darüber gesprochen, wie wir uns seelisch und körperlich gesund halten können.

„Auch in Familien nehmen die psychosozialen Belastungen immer weiter zu. Sie befinden sich in einem enormen Spannungsfeld. Sowohl in meinem beruflichen Umfeld als auch in meinem Alltag wird dies immer wieder deutlich. Eltern versuchen häufig, zwischen ihren beruflichen Anforderungen und ihren Kindern eine Balance zu finden.“, erklärt Karina Baumbach vom Salus Fachklinikum Uchtspringe. „Einen Weg durch diese schwierige Zeit zu finden, ist sicher alles andere als einfach. Viele werden aktuell zu regelrechten Krisenmanagern.“

Wir haben ein paar Tipps zusammengetragen, die beim Umgang mit diesen Belastungen helfen können. Mit Verunsicherung und Ängsten geht jeder anders um und das ist vollkommen in Ordnung. Dennoch sollten sie uns nicht beherrschen, denn Angst kann krank machen.

Über Verunsicherung sprechen und sich austauschen:

So wie Ihnen geht es häufig auch anderen aus ihrem Familien- und Freundeskreis und natürlich auch Ihren Kindern. Wenn Sie offen über Ihre Sorgen und Gedanken sprechen, erleichtern Sie es meistens auch den Kleinen, offen darüber zu kommunizieren. Nehmen Sie Ihre Gefühle und auch die Ihrer Kinder ernst. Gefühle, wie Verärgerung oder Angst, zuzulassen ist vollkommen in Ordnung und sogar wichtig, denn Emotionen brauchen ihren Raum, wollen wahrgenommen und bewältigt werden. Sprechen Sie gemeinsam darüber. Dabei ist es keineswegs notwendig, dass Sie alle Fragen beantworten können, doch es ist gut, die Sorgen und Bedenken der kleinen und größeren Kinder zu kennen und darauf einzugehen. „Wenn Worte gerade nicht verfügbar sind, können Unterstützer, wie Ressourcenkarten als Türöffner helfen. Da fallen mir zum Beispiel das Kartenset Ressourcenübungen für Kinder und Jugendliche von Melanie Gäßer und Eike Hovermann oder die Stärken-Schatzkiste für Kinder und Jugendliche von Falk Scholz ein. Dabei regen Fragen und Impulse spielerisch dazu an, Stärken und Fähigkeiten zu erkennen und darüber zu sprechen. Diese Sets gibt es übrigens auch für Erwachsene und sind sehr zu empfehlen. Auch Bücher wie Das große starke Buch von Susanna Isern oder Phantasiereisen haben sich als hilfreich erwiesen“, so die Salus Psychologin.

Gemeinsam Planen mit Mut zur Lücke:

Viel Zeit und auch Nerven kann es sparen, wenn Sie einen Wochenplan erstellen. Dafür eignet sich z.B. das Wochenende. Beziehen Sie hier gern die ganze Familie aktiv mit ein. Routinen sorgen dafür, nicht ständig neue Entscheidungen treffen zu müssen und geben Sicherheit und Halt. Außerdem können sie Antriebslosigkeit entgegenwirken. Vor allem für Kinder sind Rituale und feste Tagesstrukturen hilfreich. Das könnte z.B. so aussehen: Gemeinsames Frühstück, Homeschooling und Homeoffice, Mittagsessen, Spaziergang und danach wieder eine Phase der Konzentration.

Geduld ist ein wichtiges Werkzeug für Stresstoleranz. Erwarten Sie nicht zu viel von sich an schwierigen Tagen. Radikale Akzeptanz – d.h. etwas anzunehmen, ohne es gutzuheißen, lässt uns lernen, dass es auch Tage gibt, an denen wir weniger produktiv sind.

Bewegung:

Bewegung und Tageslicht sind gut für unsere Psyche und unseren Stoffwechsel. Frei nach dem Motto: Raus in die Natur. Schon nach 30 Minuten Aktivität im Freien schüttet uns Körper Glückshormone aus. Sport wie z.B. Nordic Walking, Joggen oder Radfahren ist besonders effektiv. Aber auch ausgedehnte Spaziergänge sorgen für neue Energie. Sogar an einem trüben Tag bekommen wir dabei ausreichend Licht ab. Schaffen Sie also gern aktive Pausen. Danach fällt Konzentration wieder leichter und unser Gehirn ist wieder fitter.

Ernährung:

Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen etc. ist außerdem wichtig. Ein gesundes Immunsystem, sprich die körpereigene Abwehr, ist immer noch die stärkste Waffe gegen Viren und Co. Süßes darf sein. Wichtig sind Maß halten und Genuss.

Weitere Tipps:

  • Achtsamkeitsübungen: Innehalten. Durchatmen. Nachdenken und das alles ganz bewusst.
  • Gesellschaftsspiele: Fördern das Lernen, Geduld, Konzentration und machen Spaß.
  • Einfach mal wieder den Lieblingsfilm oder die Lieblingsserie anschauen
  • Soziale Kontakte mitunter auch digital pflegen:
    • Sie können z.B. einen Spieleabend auch digital machen. Lassen Sie sich darauf ein und probieren Sie es aus.
    • Nutzen Sie Ihr Handy zum Austausch mit Ihrer Familie und Ihren Freund*innen.
    • Ermutigen Sie Ihre Kinder auch dazu, sich digital mit ihren Freund*innen auszutauschen, über ihren Tag und ihre Sorgen zu sprechen. Und Oma, Opa oder Onkel, Tante freuen sich sicher auch mal über einen Anruf.
  • Farben nach drinnen holen: Warme Orange-, Rot- und Gelbtöne wirken wohltuend.
  • Angenehme Düfte verbreiten: Gute Laune machen z.B. Lavendel, Zimt, Vanille und Orange.
  • Geliebte Musik auflegen: zum Träumen, Tanzen, Mitsingen …
  • Etwas Neues ausprobieren: Das geht auch in den eigenen vier Wänden. 

„Und vergessen wir nicht: Wir Menschen sind soziale Wesen und Bindung ist neben der Selbstbestimmung unser wichtigstes seelisches Grundbedürfnis. Bindung ist unabdingbar für unsere seelische und körperliche Gesundheit. Diese aufrechtzuerhalten und unser Immunsystem u.a. mit Licht, Luft, Bewegung, Lachen und Liebe zu unterstützen, ist wichtiger denn je“, rät Karina Baumbach.

 

 

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