Hansestadt Stendal/Ortsteil Uchtspringe. Die Viefalt geschlechtlicher Identitäten wird am Mittwoch, dem 29. März 2023, auf einer wissenschaftlichen Tagung im Salus-Fachklinikum Uchtspringe thematisiert. Unter dem Leitmotiv „Das Geschlecht in mir“ stehen u.a. aktuelle Erkenntnisse über Transgender, Transsexualität, Intersexualität und Geschlechtsdysphorie im Blickfeld. Insbesondere geht es dabei um die einfühlsam-akzeptierende psychotherapeutische Arbeit mit Menschen, die sich nicht oder nicht eindeutig mit ihrer zugewiesenen Geschlechtszugehörigkeit identifizieren können, davon irritiert sind oder sogar leiden. Aspekte im Kindes- und Jugendalter sollen dabei ebenso gewichtet werden wie mögliche Konstellationen bei Erwachsenen. Zu der Veranstaltung werden Fachleute aus Medizin, Psychologie und Psychotherapie, Pädagogik, Heilerziehungspflege und anderen Wirkungsbereichen erwartet, die sich aktuelles Wissen über die komplexe Thematik aneignen wollen. Das Tagungsprogramm, das unter www.salus-lsa.de detailliert abrufbar ist, umfasst drei Vorträge mit anschließender Gelegenheit zur Diskussion. Die Platzkapazität im Uchtspringer Gesellschaftshaus ist begrenzt, es besteht jedoch die Möglichkeit, die Tagung online zu verfolgen. Anmeldungen sind unter der E-Mail-Adresse wi.abelmann@salus-lsa.de möglich, telefonische Rückfragen unter 039325 70-2408.
Transgender, Transsexualität, Intersexualität, Geschlechtsdysphorie: Es kursieren viele Begrifflichkeiten für ein Phänomen, das in den vergangenen Jahren auch öffentlich deutlich sichtbarer geworden ist: Es gibt Menschen, die sich mit ihrer offiziell zugewiesenen Geschlechtszugehörigkeit nicht identifizieren, im eigenen Körper „falsch“ fühlen und unter dieser Lebenssituation leiden. Für manche sind dann körperliche Veränderungen wichtig. Für Andere ist es hilfreich, in der frei gewählten Geschlechtsrolle zu leben und damit voll akzeptiert zu werden. Und einige verheimlichen ihre innere Erkenntnis dauerhaft.
„So zu sein und zu leben, wie man ist, hat für die psychische Gesundheit jedoch große Bedeutung“, verweist Dr. med. Cornelia Ulrich, Chefärztin der Uchtspringer Klinik für Psychotherapeutische Medizin, Psychosomatik und Suchtmedizin, auf Erfahrungen aus der klinischen Praxis. Die Odyssee zahlreicher Patient*innen zeige, dass das Verdrängen der geschlechtlichen Identität zu Depressionen, Angststörungen und sogar zur Suizidalität führen könne. „Ein verständnisvoll-akzeptierendes Umfeld, mehr gesellschaftliche Toleranz und - bei Bedarf - medizinisch-therapeutische Unterstützung für das Leben im gefühlten Geschlecht sind notwendig, damit sich Menschen selbstbestimmt für eine Transition entscheiden können. In diesem Sinne soll unsere Tagung zur Aufklärung und Sensibilisierung beitragen.“
Aus Sicht von Dr. med. Ute Ebersbach, Chefärztin der Uchtspringer Klinik II für Kinder- und Ju-gendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, erfordert die gefühlte Transidentität bei Kindern und Jugendlichen inmmitten der Persönlichkeitsentwicklung eine besonders achtsame, zunächst ergebnisoffene Begleitung: „Es ist wichtig, die individuellen Ursachen von Irritation, Unsicherheit, Rebellion oder Depresssion herauszufinden. Gerade die Pubertät ist eine Phase der Identitätssuche, die auch von Krisen begleitet sein kann. Wenn ein Mädchen oder ein Junge sich nicht geschlechtskonform verhält und eine andere Rollenzuweisung einfordert, liegt nicht zwangsläufig eine Transidentität vor“, erklärt die erfahrene Fachärztin. „Mit unserem therapeutischen Angebot wollen wir in erster Linie einen sicheren und wertschätzenden Raum für die Selbstreflexion schaffen, der den Erkenntnis- und Bewusstseinsprozess fördert.“
Das detaillierte Tagungsprogramm ist nachfolgend als pdf-Download abrufbar.
