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Einfach losmusizieren: Bezaubernde Melodien mit der Tischharfe made in Lochow

Gemeinsame Freude über den erfolgreichen Bau der Tischharfe made in Lochow: Musiktherapeut Marcel Schmidt, Praktikantin Charlotte Pilat und Ergotherapie-Leiterin Christina Flögel (v.l.n.r)
Charlotte Pilat widmete sich in ihrem ergotherapeutischen Praktikumsprojekt dem Bau einer Tischharfe.
Musiktherapeut Marcel Schmidt zeigt die Notengrafiken, denen man beim Spiel auf der Tischharfe folgen und sogleich erfolgreich musizieren kann.
Das Label „saluSymbiose“ (unten rechts auf dem Instrument) macht auf den Wert von interdisziplinärer Zusammenarbeit, Vernetzung und Nachhaltigkeit aufmerksam. Zu finden ist es auf vielen Produkten, die in den Einrichtungen des Maßregelvollzugs entstehen.
Über ein klangvollvolles ergo- und musiktherapeutisches Praktikumsprojekt im Maßregelvollzug

Hinter Charlotte Pilat liegt eine spannende Zeit. Die Ergotherapie-Auszubildende hat gerade ihr zehnwöchiges Praktikum in der Maßregelvollzugsabteilung Lochow beendet und freut sich über den Zugewinn an neuen beruflichen Erfahrungen. „Die therapeutischen Möglichkeiten hier sind unglaublich vielfältig. Man kann sich gut auf das Befinden, die Ressourcen und Interessen der Patienten einstellen“, verweist sie auf aktivierende Angebote, wie sie u.a. in Gärtnerei und Feldwirtschaft, Tischlerei, Beschäftigungstherapie, Wäscherei und tiergestützter Therapie eingesetzt werden. „Toll, dass ich da überall reinschnuppern durfte.“ 
Besonders stolz ist Charlotte Pilat darauf, dass sie während ihres Praktikums sogar ein eigenes Projekt umsetzen konnte: Mit dem Bau einer Tischharfe wurde eine Idee des Musiktherapeuten Marcel Schmidt realisiert, bei der Kreativität und handwerkliches Geschick der beteiligten Patienten und Mitarbeitenden ebenso gefragt waren wie ästhetisches Empfinden und Musikalität. Entstanden ist ein klangvolles Instrument made in Lochow. Es macht mit dem Label „saluSymbiose“ auch auf den Wert von interdisziplinärer Zusammenarbeit, Vernetzung und Nachhaltigkeit aufmerksam. Diese Aspekte sind Christina Flögel, Ergotherapie-Leiterin des Maßregelvollzug Uchtspringe einschließlich Außenstelle Lochow, bei der Gestaltung von therapeutischen Projekten und Prozessen jeglicher Art sehr wichtig: „Ziel ist es, für möglichst jeden Patienten ein passendes Angebot zu finden und auch auf individuelle Motivationsflauten reagieren zu können. Wichtig ist, dass sie etwas tun, Selbstwirksamkeit spüren und Erfolgserlebnisse haben.“  Psychisch wohltuend-heilsame Wahrnehmungen wie diese hat die Tischharfe, deren Korpus aus einheimischem Robinien- und Birkenholz gewonnen wurde, bereits während ihrer Entstehung zutage gefördert. Von der Holzbearbeitung bis zum Feinschliff beim Stimmen war ein breites Spektrum von Arbeiten mit unterschiedlichen Anforderungen zu bewältigen. Und das Ergebnis kommt wiederum untergebrachten Personen zugute, die jetzt an diesem Instrument einen leichtfüßigen Einstieg in die Welt des Musizie-rens finden.  
„Auf der Tischharfe kann man ohne Vorkenntnisse und Übung sofort ein Lied spielen. Diese Aussicht regt mitunter auch psychisch schwerkranke Menschen zum Musizieren an, die mit Worten kaum   oder noch gar nicht zu erreichen sind“, erklärt Musiktherapeut Marcel Schmidt.  „Der Patient erlebt, dass er richtig schöne Musik machen kann – und eben nicht, wie schon des Öfteren, versagt.“ 
Das funktioniert? Verblüfft bin ich – die instrumental völlig unbedarfte Autorin dieses Beitrages – selbst, als mir „aus dem Stand“ das Zupfen von „Bruder Jacob, schläfst du noch?“ gelingt. Welch` bezaubernder Klang! Möglich ist dies durch passende Notengrafiken, die unter die Saiten der Harfe geschoben werden.  Mit dem Anzupfen des beschriebenen No-tenweges erklingt die ausgewählte Melodie – so ähnlich, wie beim System „Malen nach Zah-len“ ein schönes Bild entsteht. Das motiviert. Das spricht die Sinne an - taktil, optisch und akustisch!  Joseph Beuys hatte eben doch recht, als er meinte: „Jeder Mensch ist ein Künstler!“ 
Übrigens: Die angehende Ergotherapeutin Charlotte Pilat hat während ihres Praktikums in Lochow die Arbeit mit psychisch kranken Straftätern zu schätzen gelernt. „Das Klientel fordert heraus, jeder Tag ist anders. Man muss stets auf´s Neue gucken: Wie ist die untergebrachte Person drauf? Wie stellen wir uns darauf ein? Welches therapeutische Angebot könnte mobilisieren und motivieren? Das ist spannend und unterscheidet sich beispielsweise von ergotherapeutischen Tätigkeiten, bei denen die Behandlungen immer relativ standardisiert und im engen Zeitfenster ablaufen müssen“, erklärt die 24jährige, die sich eine berufliche Perspektive im forensisch-psychiatrischen Wirkungsfeld durchaus vorstellen kann. Franka Petzke