Fachklinikum Bernburg

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Fachärztin: „Wir nehmen die Sorgen um das Gedächtnis von Anfang an ernst“

Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Laura Sternbeck und der Psychologe Adrian Schulz arbeiten in der Gedächtnissprechstunde eng zusammen.
Zweijähriges Bestehen der Gedächtnissprechstunde am Salus-Fachklinikum Bernburg

Vor zwei Jahren öffnete die Gedächtnissprechstunde am Salus-Fachklinikum Bernburg ihre Türen. Anlässlich des Welt-Alzheimertags am heutigen 21. September zieht die Oberärztin Laura Sternbeck eine Zwischenbilanz und erklärt, warum der Ausbau der Kapazitäten wichtig ist. 

Frau Sternbeck, die Gedächtnissprechstunde feiert das zweijährige Bestehen. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Laura Sternbeck: Unsere interdisziplinäre Anlaufstelle wird von der Bevölkerung in und um Bernburg sehr gut angenommen. Die kontinuierlich hohe Nachfrage zeigt uns, wie groß der Bedarf an spezialisierter Diagnostik in der Region ist. Um Ratsuchenden auch weiterhin möglichst zeitnah helfen zu können, haben wir aktuell unsere Sprechstunden-Kapazitäten erweitert.

Das diesjährige Leitmotiv des Welt-Alzheimertags lautet „Demenz – (k)eine Frage des Alters“. Was bedeutet das für Ihre tägliche Arbeit?

Laura Sternbeck: Das Motto bringt es auf den Punkt: Das Thema Demenz geht uns alle an, unabhängig vom Alter. Es geht vor allem darum, den bewussten Umgang mit ersten Veränderungen zu schärfen. Viele Menschen neigen aus Angst oder Scham dazu, anfängliche Probleme zu überspielen oder leichthin dem normalen Altern zuzuschreiben. Wir möchten diese Schamgrenzen abbauen.

Wer sollte zu Ihnen in die Sprechstunde kommen?

Laura Sternbeck: Unser Angebot richtet sich ausdrücklich nicht nur an Menschen, bei denen die Angehörigen im Alltag bereits feststellen müssen: „Da geht allein nichts mehr.“ Uns ist es ein großes Anliegen, gerade auch Menschen zu untersuchen, die erst den Beginn einer Vergesslichkeit oder erste Konzentrations- und Orientierungsprobleme an sich selbst bemerken. Wir nehmen die Sorgen um das Gedächtnis von Anfang an absolut ernst.

Warum ist diese frühe Phase so entscheidend?

Laura Sternbeck: Weil wir in den frühen Stadien – genau wie bei vielen anderen Erkrankungen auch – therapeutisch am meisten bewirken können. Unser oberstes Ziel ist es, den Betroffenen dabei zu helfen, so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben im eigenen, vertrauten Zuhause zu führen. Mit einer passgenauen Behandlung lassen sich Symptome lindern und der Verlauf hinauszögern. Das bedeutet einen enormen Gewinn an Lebensqualität.

Steckt hinter Gedächtsniproblemen eigentlich immer eine Demenz?

Laura Sternbeck: Ganz und gar nicht. Die genaue Abklärung kann erfreulicherweise auch  zur Erleichterung beitragen, denn: Nicht hinter jeder kognitiven Fehlleistung verbirgt sich eine Demenz. Häufig stecken dahinter gut behandelbare Ursachen, wie ein ausgeprägter Vitamin-B12-Mangel, Hormonstörungen, eine Depression oder auch die Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten.

Wie läuft der Besuch in der Gedächtnissprechstunde konkret ab?

Laura Sternbeck: Die Diagnostik erfolgt schrittweise innerhalb von bis zu drei Terminen bei uns im Haus „Spielmeyer“, also in der Psychiatrischen Institutsambulanz. Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch. Hier ist es ideal, wenn die Patienten von einer engen Vertrauensperson begleitet werden. Danach folgen neuropsychologische Tests, Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren wie CT oder MRT. Die Ergebnisse besprechen wir intensiv mit den Betroffenen und leiten dann in enger Kooperation mit dem Haus- oder Facharzt die passende Therapie ein.

Was müssen Betroffene tun, um einen Termin bei Ihnen zu vereinbaren?

Laura Sternbeck: Der Weg zu uns ist unkompliziert: Es bedarf lediglich einer Überweisung durch den Hausarzt oder einen Facharzt. Durch unsere neu geschaffenen Kapazitäten können wir Termine ab sofort wieder zeitnah vergeben. Die Anmeldung ist ganz einfach telefonisch oder per E-Mail möglich (Telefon: 03471 34-4330; E-Mail-Adresse piae.bbg@salus-lsa.de).

Kurz informiert: Als „Demenz“ fasst man in der Medizin eine ganze Reihe von Krankheitsbildern zusammen, bei denen wichtige Gehirnfunktionen wie Gedächtnis, Sprache, Orientierung und Lernfähigkeit fortschreitend und unwiederbringlich verloren gehen. Die Alzheimer-Krankheit ist dabei die häufigste Form. Etwa 70 Prozent aller Demenzen werden durch sie hervorgerufen, gefolgt von den vaskulären Demenzen, die durch Schädigungen der Blutgefäße des Gehirns verursacht werden. Alter ist der größte Risikofaktor für eine Demenz. Die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, steigt nach dem 65. Lebensjahr stark an. Dabei sind aufgrund der höheren Lebenserwartung Frauen stärker betroffen als Männer.