Der Start für ein gemeinsames Zukunftsprojekt ist gemacht: Die Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik in Wittenberg des Fachklinikums Bernburg und die Klinik Bosse Wittenberg (Bauherrin) haben am 20. April mit einer Grundsteinlegung den Neubau einer Familientagesklinik in Wittenberg feierlich besiegelt. Ziel ist die Stärkung der familienorientierten psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung in der Region.
In der Familientagesklinik sollen künftig Kinder mit psychischen Erkrankungen gemeinsam mit ihren ebenfalls psychisch erkrankten Eltern behandelt werden. Ziel ist es, Familien frühzeitig zu stabilisieren und ihnen Wege aus belastenden Situationen zu eröffnen. Bis zu acht Familien können gleichzeitig aufgenommen werden. Damit entsteht in der Region ein Angebot, das es in dieser Form bislang in Sachsen-Anhalt noch nicht gibt.
Für das Fachklinikum Bernburg bedeutet die Kooperation mehr als nur eine Beteiligung. Gemeinsam mit der Klinik Bosse wurde ein Versorgungskonzept entwickelt, das die ganze Familie in den Blick nimmt und unterschiedliche fachliche Perspektiven verbindet. Die enge Abstimmung beider Häuser zieht sich bereits durch die Planungsphase und wird auch im späteren Betrieb eine zentrale Rolle spielen.
Nach Einschätzung von Dr. med. Kirstin Palm, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik Bernburg, eröffnet das Konzept besonders gute Chancen, um familiäre Ressourcen zu erschließen und zu aktivieren: „Die Eltern von Kindern mit psychischen Störungen und auffälligem Verhalten leiden häufig unter dem Gefühl, versagt zu haben. Im therapeutisch angeleiteten Austausch mit anderen Betroffenen werden sie relativ schnell Entlastung erleben und entdecken, dass es Strategien und Lösungswege gibt, um als Familie wieder handlungsfähig zu werden. Das kann das Selbstbewusstsein aller Beteiligten und die Eltern-Kind-Beziehung stärken“, erklärt die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie.
Wie Steffen Orzessek, Psychotherapeutischer Leiter der Salus-Tageskliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie ergänzt, werde mit dem Aufbau der Familientagesklinik ein lange verfolgtes Vorhaben umgesetzt: "Die ersten konzeptionellen Vorstellungen haben wir bereits vor mehr als zehn Jahren entwickelt", erklärt der engagierte psychologische Psychotherapeut rückblickend, "jetzt zeigt sich, dass es gut war, im Sinne einer guten Versorgung betroffener Familien hartnäckig dran zu bleiben und die Umsetzung kooperativ auf den Weg zu bringen."
Mit dem Neubau entsteht damit nicht nur zusätzliche Kapazität, sondern ein neuer Baustein in der Versorgung von Kindern und Familien – getragen von der engen Zusammenarbeit beider Kliniken.



