Kennen Sie das? Die Wohnung putzt sich fast von allein, wenn der Lieblingssong im Radio läuft. Die letzte Meile beim Joggen fühlt sich plötzlich leicht an, weil der Beat in den Kopfhörern den Rhythmus vorgibt. Und wenn wir uns nach einem langen Tag kreativ entfalten oder im Garten werkeln, spüren wir: Der Kopf kommt zur Ruhe, die Seele baumelt. Intuitiv wissen wir alle: Musik, Bewegung, Gestaltung und Co. tun uns gut. Und was im Alltag so selbstverständlich erscheint, wird in der modernen Medizin zunehmend anhand hochspezifischer Verfahren therapeutisch genutzt.
Vor diesem Hintergrund standen die heilsamen Wirkungen nonverbaler Ausdrucksformen bei der Behandlung psychischer und neurologischer Erkrankungen am 25. März 2026 im Blickfeld eines Symposiums im Salus-Fachklinikum Uchtspringe. Unter der Fragestellung „Was hilft wie?“ wurden aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung vermittelt und therapeutische Verfahren praxisbezogen vorgestellt. Neben dem Vortragsprogramm mit musiktherapeutischem Schwerpunkt bot das Symposium einen Praxisteil mit Workshops, wo man unter Anleitung und in Interaktion mit erfahrenen Therapeutinnen und Therapeuten einige Methoden ausprobieren konnte.
Den passenden Einstieg in das Uchtspringer Symposium gestaltete das Team der Uchtspringer Musiktherapie: Mit ihrem leichtfüßig-inspirierenden musikalischen Auftakt machten Sabrina Helmholz (Percussion), Aelita Siedentop (Klavier) und Saskia Füssel (Geige) theoretische Inhalte des Tages bereits vor dem ersten Vortrag wahrnehmbar.
Innerhalb des wissenschaftlichen Programms rückte dann die Erkenntnis in den Mittelpunkt: Die Zeit, in der Anwendungen der Musik-, Gestaltungs-, Ergo- oder Bewegungstherapie eher als aktivierend-auflockernde “Begleitmusik” betrachtet wurden, ist vorbei. Längst hat die Forschung aufgeholt und durch Studien - auch unter Einbeziehung bildgebender Verfahren - belegt, was erfahrene Therapeutinnen und Therapeuten in der Praxis täglich beobachten. Ob es um die neuronale Plastizität des Gehirns oder die Regulation des vegetativen Nervensystems geht – die heilsamen Effekte von Musik, Gestaltung, Bewegung & Co. sind heute wissenschaftlich fundiert belegt und messbar. Das Uchtspringer Symposium präsentierte dazu den aktuellen Stand der Wissenschaft, der diese Fachdisziplinen als unverzichtbare, evidenzbasierte Säulen einer ganzheitlichen Patientenversorgung einordnet.
So stellte die gastgebende Chefärztin Dr. Cornelia Ulrich in ihrem Impulsvortrag die Ergebnisse einer aktuellen multizentrischen Studie zur Wirksamkeit der kommunikativen Bewegungstherapie im Vergleich zur Musik- und Ergotherapie vor, an der sich auch das Salus-Fachklinikum Uchtspringe maßgeblich beteiligt hatte. Darin konnten signifikante positive Veränderungen im Heilungsprozess nachgewiesen und differenziert werden. Dipl.-Musiktherapeutin Annegret Körber (Universitätsmedizin Rostock) referierte zu Erkenntnissen aus der musiktherapeutischen Praxis und Forschung in der Psychosomatik. Unter anderem ging sie dabei auf das von ihr entwickelte Konzept für Menschen mit chronischem Tinnitus ein. Dabei werden musiktherapeutische Methoden genutzt, um Ohrgeräusche in den Hintergrund treten zu lassen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Anschließend ließ Prof. Dr. phil. Stefan Mainka (Beelitzer Parkinsonzentrum) eindrucksvoll daran teilhaben, wie er Musik als hochwirksamen “Therapiebooster” in der Neurorehabilitation einsetzt, so zum Beispiel bei der Behandlung von Parkinson- und Schlaganfallpatienten. Dabei werden Musik und rhythmische Impulse gezielt genutzt, um verloren gegangene Bewegungsmuster, Motorik und Sprachfähigkeiten durch die Stimulation neuronaler Netzwerke zurückzugewinnen. Kleiner Tipp: Stefan Mainka hat die „Beelitzer Musikgymnastik“ mitentwickelt, ein Programm, bei dem Übungen zur Feinmotorik und Beweglichkeit mit Musik unterstützt werden (Website: https://mit-musik-geht-reha-besser.de).
Im zweiten Teil des Symposiums konnten sich Teilnehmenden dann in verschiedenen Workshops selbst ausprobieren: Bei Musik und Bewegung, kommunikativer Bewegungstherapie und Gruppensingen war Selbsterfahrung ebenso möglich wie in der Musik- und Klangtherapie, bei der Handpuppengestaltung oder bei der Stomp & Bodypercussion im kreativen Prozess.
Fazit: Das Symposium hat die Bedeutung und die vielfältigen methodischen Möglichkeiten nonverbaler Therapien im multimodalen Behandlungsprozess einprägsam vor Augend geführt. Es war zugleich ein Appell, diese Fachdisziplinen noch weitaus höher zu schätzen. Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle Beteiligten, die vor und hinter den Kulissen an der Planung, Organisation und gelungenen Durchführung der Veranstaltung mitgewirkt haben.





