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Aktuelles

Mehr als nur eine Stelle – wie internationale Pflegekräfte in unserem Unternehmensverbund ankommen

Florian Brückner und Thomas Stark betreuen die internationalen Pflegefachkräfte der SAH.
Im Verbund haben wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus etwa 40 verschiedenen Nationen, darunter auch viele Pflegekräfte. Diese kommen u.a. aus den Philippinen, Indien, Iran, Usbekistan, Tunesien und der Ukraine.

Thomas Stark und Florian Brückner arbeiten im Team Personalmanagement und sind für unsere internationalen Pflegekräfte Hauptansprechperson für unseren Unternehmensverbund.

Nachdem die Zusammenarbeit mit den Dienstleistern Globogate und Medwing abgeschlossen ist, blicken wir mit den beiden gemeinsam auf diese spannende Zeit zurück, in der sie Pflegefachkräfte für Bernburg, Uchtspringe, Magdeburg, Gardelegen und Salzwedel gewonnen haben.

Was macht unseren Verbund als Arbeitgeber besonders?

Florian Brückner: Aus unserer Sicht macht insbesondere die ländliche Lage unseren Verbund zu einem besonderen Arbeitgeber für internationale Fachkräfte. Die Ruhe abseits der Großstädte und die kleinen Krankenhäuser bieten einen geschützten Rahmen für den Berufseinstieg. 

Thomas Stark: Gleichzeitig sind einige Standorte gut an größere Städte angebunden. Hinzu kommt die Vielseitigkeit innerhalb des Verbundes: Von ambulanten Einrichtungen über Krankenhäuser und Kliniken bis hin zum Maßregelvollzug bieten wir ein breites Spektrum für die spätere Laufbahn, einschließlich möglicher Standortwechsel.

Was sind Ihre Aufgaben in der Betreuung? Geben Sie uns gern einen Einblick. 

Florian Brückner: Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Arbeitgeber, Dienstleister und Mitarbeitenden und sind Ansprechpartner in allen Belangen – manchmal auch als Kummerkasten oder Schulter zum Anlehnen. Unsere Aufgaben sind sehr vielfältig: Wir holen die neuen Kolleginnen und Kollegen beispielsweise am Flughafen ab, begleiten sie bei der Wohnungsübergabe und unterstützen sie bei Anmeldungen, Behördengängen und der Eröffnung eines Bankkontos.

Darüber hinaus helfen wir bei der Zusammenstellung von Unterlagen, geben einen ersten Überblick über den neuen Wohnort und knüpfen erste Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen. Auch am ersten Arbeitstag sind wir dabei. Wir zeigen den neuen Mitarbeitenden, wer auf der Station tätig ist und wo sie eingesetzt werden.

Thomas Stark: Oft sind es kleine Dinge, die für uns selbstverständlich erscheinen, neue Kolleginnen und Kollegen aber vor große Herausforderungen stellen. Die deutsche Bürokratie mit ihren zahlreichen Schreiben, komplizierten Formularen und komplexen Abläufen kann schnell überfordern. Dabei unterstützen wir und erklären die nächsten Schritte.

Wir sind außerdem an den Auswahlgesprächen beteiligt, auch wenn wir die fachlichen Inhalte nicht beurteilen können. Die Gespräche begleiten wir aktiv und koordinieren anschließend die entsprechenden Ergebnisse. Wir bringen uns in den gesamten Prozess ein.

Die Zeit hat uns dabei viel gelehrt. Heute können wir unsere Erfahrungen nutzen, um neue Kolleginnen und Kollegen bestmöglich zu begleiten und ihnen den Einstieg zu erleichtern.

Was motiviert Sie bei dieser Aufgabe persönlich?

Thomas Stark: Uns motiviert besonders, dass für uns manche Dinge wie Kleinigkeiten erscheinen, für die neuen Kolleginnen und Kollegen aber eine ganze Welt bedeuten. Es sind diese kleinen Dinge, die Freude bereiten und Dankbarkeit schaffen. Unsere Erfahrung zeigt: Reden hilft, man muss es nur tun. Wir sprechen Dinge direkt an und ermutigen dazu, bei Problemen – egal wie banal sie erscheinen mögen – das Gespräch zu suchen.

Welche Chancen sehen Sie durch unterschiedliche kulturelle Hintergründe in der Pflege?

Thomas Stark: Wir möchten das Thema weniger an Kulturen festmachen, sondern eher an der Mentalität. Kranke und zu pflegende Menschen benötigen eine gewisse Art an Betreuung: Freundlichkeit, Empathie und Zuwendung sind universell wichtig, unabhängig von der kulturellen Herkunft und das bringen die Pflegefachkräfte mit. 

Wie genau sieht die Unterstützung beim Ankommen aus? Das ist sicher aufregend und zum Teil herausfordernd für die neuen Kolleginnen und Kollegen. 

Florian Brückner: Wir begleiten unsere neuen Kolleginnen und Kollegen persönlich vom Flughafen bis zur Wohnung, sofern nichts anderes vereinbart wurde. Bei der Wohnungsübergabe überreichen wir ein Carepaket mit Lebensmitteln für die ersten Tage. Administrative Aufgaben legen wir meist auf den zweiten Tag, da die Anreise in der Regel sehr anstrengend ist und ausgeruht sieht der Tag schon anders aus.

Thomas Stark: Die Kolleginnen und Kollegen werden bereits im Heimatland auf Deutschland vorbereitet und sind meist gut vernetzt, sodass wir oft nur eine örtliche Orientierung geben müssen. Wir geben Tipps für das aktive Sprachenlernen: Nachrichten schauen, Radio oder Podcast hören, Kinderbücher lesen. Wenn wir am Standort sind, versuchen wir uns einmal pro Woche mit allen zu treffen, um kurz zu sprechen, ob alles in Ordnung ist und ob es Probleme gibt.

Was sind die häufigsten Herausforderungen?

Florian Brückner: Die größte Herausforderung ist die Sprache. Die Kolleginnen und Kollegen kommen zwar mit einem B2-Niveau, was super ist, aber das bedeutet nicht, dass sie jeden Dialekt verstehen oder jedem Sprechtempo folgen können. Sie müssen verstehen, für sich übersetzen und dann antworten. Dabei besteht immer auch die Sorge, etwas Falsches zu sagen oder ein falsches Wort zu benutzen, und die Scham ist sehr groß. Das kennen sicher viele Menschen. 

Was denken Sie: Wann ist jemand wirklich angekommen?

Thomas Stark: Wann jemand wirklich angekommen ist, lässt sich schwer sagen, das ist für jeden individuell. Die Kolleginnen und Kollegen von den Philippinen sind angekommen, ein Teil hat die Familie nachgeholt und baut sich eine Zukunft auf. Andere arbeiten und unterstützen ihre Familien zu Hause und sind auf diese Weise angekommen. Wenn nichts mehr zu beantragen ist und der Aufenthaltstitel über zwei bis drei Jahre gültig ist oder gar die Niederlassungserlaubnis vorliegt, ist ein wichtiger Meilenstein erreicht. Oder wenn man einfach miteinander scherzen kann und der andere es versteht.

Gab es einen Moment, der Ihnen besonders gezeigt hat, wie wertvoll Ihre Arbeit ist?

Florian Brückner: Gemeinsam mit einem Mitarbeitenden habe ich die erste Wohnung für ihn und seine Familie an einem Standort gesucht. Zur Wohnungsübergabe kurz vor Weihnachten habe ich meinen Urlaubstag spontan verschoben, um ihm bei der Unterschrift mit Rat und Tat zu Seite stehen zu können. Nach der Unterschrift auf dem Mietvertrag saßen wir gemeinsam in der noch ziemlich leeren Wohnung und haben erzählt. In der Gewissheit, dass bald die Familie zu ihm nach Deutschland kommt, waren die Tränen der Freude ein passendes vorweihnachtliches Erlebnis. 

Thomas Stark: Es gibt immer wieder Momente, die zeigen, wie wertvoll unsere Arbeit ist. Meist sind es Kleinigkeiten, aber für die Kolleginnen und Kollegen ist es eine riesen Hilfe. Mit ist eine Begegnung mit einem neuen Kollegen und seinem Kind besonders in Erinnerung geblieben: Das Kind kam aus dem Kindergarten und rannte zu ihm. „Papa, Papa! Weißt du was der Osterhase ist?“ „Nein, mein Kind.“ „Setz dich, ich erzähle es dir.“ Es war ein sehr schöner Moment und zeigt im Kleinen, was Menschen alles voneinander lernen können, wenn sie offen und interessiert sind. 

Was haben Sie selbst durch die Zusammenarbeit mit internationalen Kolleginnen und Kollegen gelernt?

Thomas Stark: Geduld und Verständnis. Einfach zu sprechen. Auch einmal zuzuhören und einfach da zu sein. 

Florian Brückner: Reden hilft. Manchmal hilft es auch, aus seiner eigenen Komfortzone zu treten, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Gibt es eine Begegnung oder Geschichte, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Thomas Stark: Ja, wenn die Kinder der Fachkräfte oder das eigene Kind zum Lehrer wird. Ich erinnere mich vor allem an einen Tag, an dem ich plötzlich nicht mehr Herr meiner Küche war! Die usbekischen Kollegen hatten mich zu Hause besucht und für uns gekocht. Es war ein toller Abend. 

Florian Brückner: Eine Mitarbeiterin hat Wochen nach der Anerkennungsprüfung ihr Zertifikat mit ins Büro genommen und stolz verkündet, ihr nächstes Ziel sei die Weiterbildung zu Praxisanleitung. Sie möchte es den kommenden Auszubildenden und Pflegekräften in Anerkennung leichter machen und ihr Wissen vermitteln. Sie sei zwar stolz auf das, was erreicht wurde, aber nicht jeder müsse die Stolpersteine mitnehmen, die sie mitnehmen musste.

Wie wünschen Sie sich die Weiterentwicklung des Themas internationale Fachkräfte bei uns?

Beide: Mehr Toleranz und Verständnis. Mehr Sprechen und auch auf Gegebenheiten vorher eingehen.

Ergänzen Sie die folgenden Sätze gern: 

  • Meine Arbeit ist besonders, weil … 

Thomas Stark: … es besonders ist! Nie den Spaß und die Freude verlieren. Ein Lächeln gibt viel! 

Florian Brückner: … ich Menschen täglich dabei helfen kann, ihren Traum des Lebens in einem neuen Land zu verwirklichen. Ich sehe hautnah, wie sie bei der Bewältigung von Hürden des Lebens in Deutschland wachsen und sich stetig weiter selbst verwirklichen.

  • Der schönste Moment ist, wenn … 

Florian Brückner: … die Pfleger und Pflegerinnen die Berufsurkunde in der Hand halten und von da an ihr großes Ziel der Berufsanerkennung gemeistert haben. Davon abgesehen ist es jedes kleine Erfolgserlebnis, an welchem sie mich teilhaben lassen. Es ist der Dank, den sie mir gegenüberbringen und die Wertschätzung, dass sie sich der Hilfe bewusst sind. 

Thomas Stark: … die Kolleginnen und Kollegen am Ziel – der Berufsurkunde – angekommen sind. Ich bin stolz auf unsere Kolleginnen und Kollegen im Team, weil trotz vereinzelter Schwierigkeiten der Mensch im Mittelpunkt steht.

 

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