In Bernburg wurde der Neubau für den Offenen Maßregelvollzug (OMV) fertiggestellt. Der erfolgreiche Abschluss des Vorhabens stand am Donnerstag (22. Januar 2026) im Blickfeld einer Eröffnungsveranstaltung, bei der die Leistungen der baubeteiligten Akteure gewürdigt und das neue Haus vorgestellt wurden. SAH-Geschäftsführer Jürgen Richter begrüßte dazu neben zahlreichen Mitarbeitenden und Führungskräften aus dem Salus-Verbund u.a. Gäste aus Politik, regionalen Verwaltungen und kooperierenden Einrichtungen sowie Unternehmen, deren Expertise in das Projekt eingeflossen ist. Den symbolischen Schlüssel übergab Wolfgang Beck, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung Sachsen-Anhalt, an das Stationsteam, vertreten durch Stationsleiterin Claudia Souschek und deren Stellvertreterin Diana Pietsch. Im Anschluss ließ Dipl.-Ing. Bauingenieur Frank Oheim, geschäftsführender Gesellschafter der arc architekturconcept GmbH, in einer Präsentation am Bauverlauf teilhaben, der von der Idee bis zur Fertigstellung etwa dreieinhalb Jahre dauerte.
Mit der Investition wurden die nach der Inbetriebnahme des Hochsicherheitszaunes im Herbst 2022 notwendig gewordenen Ersatzplätze für den Offenen Maßregelvollzug geschaffen. Der Neubau wurde mit einem Volumen von 8,3 Mio. EUR aus Mitteln des Landes Sachsen-Anhalts finanziert. Dadurch verbessern sich die Rahmenbedingungen zur Unterbringung von Patienten, deren Therapie weit fortgeschritten ist und eine Weiterbehandlung unter gelockerten Sicherungsbedingungen erfordert, um den schrittweisen Übergang in ein selbstständiges Leben ohne Straftaten zu ermöglichen. In dem Gebäude außerhalb des hochgesicherten Einrichtungsgeländes, errichtet neben dem Parkplatz an der Dr. John-Rittmeister-Straße, sind fünf Wohneinheiten mit jeweils sechs Patientenzimmern entstanden. Außerdem umfasst das Raumprogramm Dienst- und Behandlungszimmer, Gruppenräume für Therapie und Freizeitgestaltung sowie weitere Büro- und Funktionsräume.
Der Maßregelvollzug Bernburg ist eine Einrichtung zur Besserung und Sicherung von suchtkranken Straftätern nach § 64 StGB mit derzeit 179 Plätzen. Hier werden Menschen untergebracht und therapiert, die von berauschenden Substanzen abhängig sind und deshalb straffällig wurden. Zwischen Sucht und Tat muss ein ursächlicher Zusammenhang festgestellt worden sein. Eine gerichtliche Einweisung in den Maßregelvollzug ergeht aber nur, wenn eine hinreichend konkrete Aussicht auf Therapieerfolg besteht und davon auszugehen ist, dass die Behandlung zur Vermeidung erneuter Straftaten beiträgt. Zum 31. Dezember 2025 waren im Maßregelvollzug Bernburg 166 Personen untergebracht, davon 20 sogenannte Probewohner außerhalb der Einrichtung. Durch eine am 1. Oktober 2023 in Kraft getretene Gesetzesänderung (Novellierung des § 64 StGB), mit der die Voraussetzungen für eine Zuweisung restriktiver gestaltet wurden, hat sich die Belegungssituation im Maßregelvollzug Bernburg im zurückliegenden Jahr spürbar entspannt.
Im Maßregelvollzugszentrum Bernburg sind rund 330 Mitarbeitende in vielen verschiedenen Berufsfeldern tätig. Die Fachkräfte auf Gebieten wie Medizin und Psychologie, Pflege, Heilerziehung und Fachtherapie (z.B. Ergo-, Sport-, Physio- und Musiktherapie), Sozialarbeit und -pädagogik arbeiten unter fachärztlicher Leitung in multiprofessionellen Teams bei der Betreuung und Behandlung der Patienten zusammen. Dabei ist der Pflegedienst mit mehr als 200 examinierten Pflegefachkräften und Pflegehelfern die größte Berufsgruppe. Flankiert und unterstützt wird die medizinisch-therapeutische Arbeit u.a. durch die Mitarbeitenden im Wachschutz, in der Verwaltung und im ärztlichen Schreibdienst sowie im Sicherheits-, Hygiene- und Qualitätsmanagement. Juristische und betriebswirtschaftliche Expertise ist in der Einrichtungsleitung vertreten, die für alle Standorte im Land verantwortlich ist. Die Fach- und Rechtsaufsicht über den Maßregelvollzug obliegt dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung Sachsen-Anhalt.







