Frau Rindsland, welche Bedeutung hat das BEM für unser Unternehmen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Jacqueline Rindsland: Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesundheits- und Unternehmenskultur. Es unterstützt Mitarbeitende dabei, nach längerer oder wiederholter Erkrankung dauerhaft und gesund im Arbeitsleben zu bleiben. Für unser Unternehmen bedeutet BEM, dass wir Verantwortung übernehmen – für die Gesundheit unserer Mitarbeitenden ebenso wie für stabile Arbeitsabläufe. Durch individuelle und vertrauliche Gespräche können gemeinsam Lösungen gefunden werden, die Arbeitsfähigkeit sichern, Fehlzeiten reduzieren und wertvolles Wissen im Unternehmen erhalten. Gleichzeitig stärkt ein gut umgesetztes BEM die Mitarbeitendenbindung. Wer erlebt, dass das Unternehmen auch in schwierigen Phasen unterstützt, entwickelt Vertrauen und fühlt sich ernst genommen. Dieses Gefühl von Sicherheit und Wertschätzung wirkt langfristig und trägt dazu bei, dass Mitarbeitende dem Unternehmen verbunden bleiben. BEM steht damit für einen respektvollen Umgang miteinander und für ein Arbeitsumfeld, in dem Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Menschlichkeit zusammengehören.
Wie ist das BEM in unserem Unternehmensverbund aufgebaut?
Jacqueline Rindsland: Es gibt unterschiedliche Akteure, die im Betrieblichen Eingliederungsmanagement unterstützen und beraten. Für das Altmark-Klinikums gibt es zwei Integrationsteams an den jeweiligen Standorten. Im Krankenhaus Seehausen läuft das BEM über die Kolleginnen und Kollegen der Personalabteilung. In der Salus gGmbH und für den Geschäftsbereich neuwerk wurden eigens BEM-Teams an den verschiedenen Standorten implementiert (in Gänze acht Teams). Diese arbeiten eng mit uns im Fachbereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zusammen. Jedes BEM-Team ist zusammengesetzt mit einem BEM-Beauftragten des Arbeitgebers (ab dem 01.01.2026 – für jedes Team – Torsten Polinowski), der/die BEM-Beauftragte aus dem Betriebsrat und der/die Beauftragte aus der Schwerbehindertenvertretung.
Herr Polinowski, seit 1. Januar sind Sie der BEM-Beauftragte des Arbeitsgebers. Wie beschreiben Sie Ihre Rolle?
Torsten Polinowski: Ich habe mir vorgenommen, das BEM-Verfahren so angenehm wie möglich zu gestalten. Ich sehe mich in beratender Funktion, einmal für die BEM-Berechtigten, die Leitungen und Vorgesetzten, um für alle Beteiligten ein gutes Ergebnis zu erzielen.
Welche Herausforderungen sehen Sie in Ihrer Funktion?
Torsten Polinowski: Ich möchte den Mitarbeitenden u.a. die Angst nehmen, dass das, was im BEM besprochen wird, irgendwelche negativen Konsequenzen für sie haben könnte. Es soll ihnen den Weg zurück an ihren Arbeitsplatz ebnen. Dafür ist es wichtig, Vertrauen aufzubauen und zu erhalten. Mit die größte Herausforderung ist und wird es immer bleiben, Mitarbeitende mit starken Einschränkungen leidensgerecht einsetzen zu können. Da ein großer Anteil der Tätigkeiten in unserem Unternehmen körperlich sehr anspruchsvoll sein kann, stößt das BEM leider hier und da an seine Grenze.
Wie ist Ihr bisheriger Weg bei der Salus, Torsten Polinowski?
Torsten Polinowski: Ich bin seit fast 32 Jahren in der Salus gGmbH tätig. Davon von 1994 bis 2023 im Maßregelvollzug Uchtspringe (damals noch Landeskrankenhaus) im Pflegedienst. 2010 stellte ich mich zur Wahl für die Vertretung von schwerbehinderten Menschen und wurde zur stellvertretenden Schwerbehinderten-Vertretung des Maßregelvollzuges Uchtpsringe inklusive der Außenstelle Lochow gewählt. Später (2014) wurde ich zum Vertreter der Schwerbehinderten der eben genannten Einrichtungen gewählt. Mit Holdinggründung (2018) wurde ich zum Konzernschwerbehindertenvertreter berufen. Mit Übernahme der neuen Aufgaben habe ich diese zum Jahresende 2025 mit schwerem Herzen aufgegeben. Zu der Vertretung der Schwerbehinderten kamen in der Vergangenheit noch weitere Aufgaben auf mich zu, so war ich noch als AGG-, Datenschutzbeauftragter für den Maßregelvollzug Uchtspringe und Lochow sowie Menschrechtsbeauftragter und Mitglied in der SAH-Mobbingkommission. Um mich jetzt vollständig auf den BEM-Prozess konzentrieren zu können, sind diese Aufgaben jetzt auf anderen Schultern verteilt. Da heißt es für mich „loslassen“, nach vorne schauen und den neuen Aufgaben zuwenden.
Was ist Ihnen bei Thema BEM besonders wichtig?
Torsten Polinowski: Mir liegt besonders am Herzen, den BEM – Berechtigten im BEM zu vermitteln, dass es in den BEM-Gesprächen nicht um eine harte Leistungsbeurteilung geht. Sondern ausschließlich darum, sie so gut wie möglich in das Arbeitsleben zu integrieren. Dazu gehört auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen beteiligten Akteuren - z.B. Vorgesetzten, Betriebsarzt und Kostenträgern.
Welche persönlichen Stärken nutzen Sie für Ihre Arbeit?
Torsten Polinowski: Da ich unter anderem ein sehr guter Zuhörer bin, bringe ich meiner Meinung nach gute Voraussetzungen mit, Menschen, auch in schwierigen Lebensabschnitten, zu begleiten. Mir wird des Öfteren ein gewisser Pragmatismus nachgesagt. Das nehme ich mal als Kompliment. Durch mein unkompliziertes Auftreten hier und da konnte ich schon sehr viel für Klienten, sowie auch für das Unternehmen, gute Ergebnisse erzielen (z.B. bei der Arbeitsplatzgestaltung, Fördermittel und Zuschüsse). Dazu kommt, dass ich durch meine Tätigkeit als Konzernschwerbehindertenvertreter in den vergangenen Jahren ein großes, hilfreiches Netzwerk aufgebaut habe. Dazu gehören, wie oben schon erwähnt, Betriebsärzte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Ansprechpersonen der Ämter und Fachdienste.
Worauf freuen Sie sich besonders?
Torsten Polinowski: Ich freue mich auf die neue Arbeitsaufgabe, die neuen Teams und die Herausforderungen, die damit einhergehen. Vor allem ist die Zusammenarbeit in den jeweiligen BEM-Teams wichtig. Im BEM gibt es keine Solisten. Es braucht viele Akteure, die gut miteinander wirken um die jeweilige Arbeitsplatzsituation für Mitarbeitende und dem Arbeitgeber zu verbessern oder zu halten.
Jacqueline Rindsland, was wünschen Sie sich als Teamleitung künftig für das BEM?
Ich wünsche mir, dass das unser BEM getragen wird von:
- Vertrauen statt Misstrauen
- Mitwirkung statt Pflicht oder Passivität
- Fürsorge statt Formalismus
Denn nur dann wird BEM das, was es sein soll:
ein gemeinsamer Weg, um Arbeitsfähigkeit zu erhalten – und Menschen im Unternehmen zu halten.
Kontakt: Torsten Polinowski, to.polinowski(at)sah.info
weitere Informationen zum BEM finden Sie im Mittendrin unter “Gesund arbeiten” - “Betriebliches Eingliederungsmanagement”.
