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Psychiatrische Behandlung im häuslichen Umfeld: Neue Versorgungsform auf erfolgreichem Kurs

Das Team der Psychiatrischen Behandlung Zuhause des Salus‐Fachklinikums Uchtspringe arbeitet interdisziplinär zusammen, um Menschen mit akuten psychischen Erkrankungen zu helfen. Der regelmäßige Austausch im Team trägt dazu bei, die Therapiepläne individuell auf die Bedürfnisse der Patient*innen und deren Erkrankungsverlauf abzustimmen.

Hansestadt Stendal I OT Uchtspringe. Das vor fünf Jahren neu etablierte Versorgungsangebot der Psychiatrischen Behandlung Zuhause (PBZ) wird im Landkreis Stendal sehr gut angenommen. 
Wie die Ärztliche Direktorin des Salus-Fachklinikums Uchtspringe und Chefärztin Dr. Michaela Poley in einer Zwischenbilanz informiert, konnte das fachärztlich geleitete Team seit dem Start im Herbst 2016 ca. 500 akut erkrankten Menschen helfen, denen eigentlich eine stationäre Therapie dringend anzuraten gewesen wäre. Das Versorgungsangebot im Landkreis Stendal wurde bislang am häufigs-ten von Patient*innen mit Depressionen (29 Prozent) in Anspruch genommen. Auch Angststörungen (15 Prozent), Demenzen (15 Prozent) und Psychosen (11 Prozent) sind im Erkrankungsspektrum sehr präsent. Da die Komplexität der Behandlung im häuslichen Umfeld den interdisziplinären Möglichkeiten eines Krankenhauses entspricht, wird sie im Sozialrecht als Stationsäquivalente Behandlung (StäB) bezeichnet und ist in Fachkreisen auch als Home Treatment bekannt.

Im multiprofessionellen Team der aufsuchenden psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung wirken Fachkräfte aus Medizin, Pflege, Psychologie, Sozial- und Ergotherapie zusammen. Den Arbeitsalltag beschreibt die Rehabilitationspsychologin Rahel Hannah Ulrich als vielfältig und beson-ders nah an den individuellen Bedürfnissen der erkrankten Menschen orientiert. „Wir stimmen uns intensiv miteinander ab, so dass jede Patientin und jeder Patient mindestens einmal am Tag von einem Teammitglied aufgesucht und behandelt wird“, erklärt sie. „Alltagsnah und lebensweltbezogen stehen dann beispielsweise Gespräche und praktische Übungen auf dem Programm, die für eine aktivierende Tages- und Wochenstrukturierung, für die Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen oder beim Erlernen von Entspannungstechniken hilfreich sind“, verweist die Psychologin auf Therapiebausteine, die flankierend zur medikamentösen Behandlung eingesetzt werden. „Ebenso können alle diagnostischen Abklärungen, wie sie etwa durch bildgebende Verfahren oder Laboruntersuchungen erforderlich sind, unmittelbar veranlasst und durchgeführt werden.“ 
Aus Sicht des Psychologen Mario Heller liegt ein großer Vorteil der Behandlung in den eigenen vier Wänden darin, dass die Familie oder andere vertraute Bezugspersonen auf Wunsch direkt einbe-zogen werden können. „Viele Patienten wissen das sehr zu schätzen und fühlen sich bestärkt, Veränderungen umzusetzen und auch beizubehalten“, verweist der Therapeut auf die Rolle von An-gehörigen bei der Krankheitsbewältigung. „Information und Aufklärung helfen oft schon weiter, um Unsicherheiten im Umgang mit dem Kranken zu überwinden und Wege aufzuzeigen, wie die Gesundung am besten unterstützt werden kann.“ Auch auf die Situation von Kindern psychisch kranker Eltern könne im Zuge der etwa vier- bis sechswöchigen Behandlung gut eingegangen werden, um bei Bedarf entsprechende Hilfen zu organisieren.  
„Wir sind inzwischen gut in das Versorgungssystem integriert“, freut sich Oberärztin Viktoria Ra-demeier-Andris, die die Psychiatrische Behandlung Zuhause vor fünf Jahren gemeinsam mit der Chefärztin aufgebaut hat. „In Stendal und im näheren Umkreis von etwa 25 Kilometern greifen Haus- und Fachärzte, Pflegeheime und andere soziale Einrichtungen immer häufiger auf diese Möglichkeit zur ganzheitlichen sozialpsychiatrischen Betreuung zurück. Der Bedarf steigt und liegt womöglich höher als in den aktuellen Behandlungszahlen abgebildet“, schätzt die Fachärztin ein. Als wichtigen Erfolgsfaktor bezeichnet Frau Oberärztin Rademeier die enge Kooperation des PBZ-Teams mit anderen regionalen Akteur*innen, die sich für die Belange psychisch kranker Menschen einsetzen. Neben dem Sozialpsychiatrischen Dienst, dem Jugendamt und anderen Stellen des Landkreises Stendal gehören dazu u.a. auch die Selbsthilfegruppen. „Dieser Schulterschluss ist insbesondere bei der Sozialarbeit während der Behandlung und für die ambulante Nachsorge hilfreich. Wir danken an dieser Stelle allen Beteiligten für die Unterstützung und Zusammenarbeit in den letzten Jahren.“

Kurz informiert
Die Psychiatrische Behandlung Zuhause (PBZ) ergänzt seit 2016 die stationären Angebote des Salus-Fachklinikums Uchtspringe. Sie richtet sich an psychisch Kranke, bei denen eigentlich ein Klinikaufenthalt ange-zeigt wäre, aber aufgrund persönlicher oder krankheitsbedingter Gründe nicht möglich ist. Besonderes Augen-merk wird bei dieser speziellen Versorgungsform darauf gelegt, die unterstützenden Ressourcen und sozialen Bezüge des Wohnumfeldes therapeutisch zu nutzen. 

Die Psychiatrische Behandlung Zuhause ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Dazu gehört u.a., dass Betroffene sich selbst und andere nicht gefährden, sondern kooperationsfähig und motiviert ist. Idealerweise gibt es auch mindestens eine vertraute Bezugsperson, die dem Kranken unterstützend zur Seite stehen kann. Nähere Informationen findet man auf der Internetseite hier.