Wenn ein Familienmitglied psychotisch erkrankt, wirkt sich dies verändernd auf das Zusammenleben und den Alltag mit ihren engsten Bezugspersonen aus. Bestenfalls können Angehörige eine wertvolle Stütze im Genesungsprozess sein. Zugleich stehen sie oft vor großen Herausforderun-gen, so zum Beispiel im Umgang mit der stark veränderten Realitätswahrnehmung des Kranken, wie sie beispielsweise mit einer Schizophrenie einhergeht. Um Betroffene in dieser Situation zu unterstützen und zu bestärken, wird im Salus-Fachklinikum Bernburg eine neue Angehörigengruppe eingerichtet. Beginnend im September 2026, wird regelmäßig die Möglichkeit bestehen, sich Expertise im Umgang mit der lebensverändernden Erkrankung anzueignen und mit Gleichgesinnten auszutauschen.
Im Blickpunkt stehen u.a. Fragen wie: Was ist eine Psychose? Welche Behandlungs- und Hilfsangebote gibt es? Wie lässt sich der Alltag gestalten und auf welche Warnsignale sollte geachtet werden? Das erste Treffen findet am Mittwoch, dem 2. September 2026, von 16:30 bis 18:00 Uhr im Haus „Neuendorff“ (Große Konferenz, 1. OG, Olga-Benario-Str. 16–18, 06406 Bernburg) statt. Ein Folgetermin ist für den 2. Dezember 2026 geplant, die Termine im kommenden Jahr werden noch bekannt gegeben. Im Sinne der Organisation wird um eine vorherige Anmeldung gebeten, telefonisch unter 03471 34-4226 oder per E-Mail an j.zimmerling@salus-lsa.de.
Begleitet wird die Angehörigengruppe durch die Ärztin Ima Mansori und einen psychotherapeutischen Mitarbeiter mit Erfahrung bei der Erkennung und Behandlung von Störungen aus dem vielfältigen psychotischen Spektrum . „In unserer täglichen klinischen Arbeit mit psychotisch erkrankten Menschen werden auch die Belastungen der Angehörigen immer wieder spürbar. Wir erleben oftmals eine große Unsicherheit und Überforderung bei Familien, Freunden und in Partnerschaften. Der Umgang mit einem Menschen, der unter Halluzinationen oder Wahnvorstellungen leidet, stellt verständlicherweise eine große Herausforderung dar“, erklärt die Ärztin Ima Mansori und macht zugleich auf die Rolle von Angehörigen aufmerksam: „Ein stützendes soziales System ist für unsere Patientinnen und Patienten enorm wichtig. Dass sich Angehörige dabei jedoch oft alleingelassen und ungehört fühlen, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass psychotische Erkrankungen in der Gesellschaft noch immer stark tabuisiert und stigmatisiert sind.“
Aufgrund dieser Erfahrungen sei die Idee geboren worden, eine neue Begegnungsplattform für Angehörige zu schaffen. „Mit der neuen Psychose-Gruppe wollen wir die Möglichkeit bieten bieten, Fachwissen zu erwerben, Bewältigungsstrategien für den Alltag sowie einen geschützten Raum für den Aus-tausch mit Gleichgesinnten zu finden.“ Fundiertes Wissen über die Erkrankung sei für Angehörige sowohl ein Schutzfaktor vor eigener Überlastung als auch eine tragende Säule für die Genesung des Erkrankten.
Psychose: Kurz informiert
Unter dem Begriff „Psychose“ fasst man eine Reihe psychischer Störungen zusammen, bei denen die Betroffenen den Bezug zur Realität verlieren oder diese verändert wahrnehmen und verarbeiten. Ein kurzer Überblick:
- Das Krankheitsbild der Psychosen ist sehr vielfältig.
- Betroffene haben typischerweise Halluzinationen oder Wahnvorstellungen sowie schwerwiegende Denkstörungen.
- Diese Symptome werden oft von starken Ängsten begleitet. Zusätzlich können auch Stö-rungen des Antriebs oder sogenannte „Ich-Störungen“ auftreten.
- Psychosen treten bei Männern und Frauen gleichermaßen auf.
- Viele Formen der Psychose beginnen zwischen der Pubertät und dem 35. Lebensjahr, können sich jedoch prinzipiell in jedem Lebensalter entwickeln.
- Die Schizophrenie ist die häufigste und klinisch bedeutsamste Erkrankung aus dem psychotischen Spektrum. Es ist keine seltene Erkrankung: Mit einem Lebenszeitrisiko von ca. 1 Prozent betrifft sie in Deutschland rund 800.000 Menschen.
- In manchen Fällen treten Psychosen in Verbindung mit hirnorganischen Erkrankungen (z.B. Hirntumore, Epilepsie) oder Substanzkonsum auf (z.B. Alkohol, Cannabis).
- Für die Genesung eines Menschen mit einer Psychose sind unterstützende soziale Netz-werke in der Familie, in der Freizeit oder am Arbeitsplatz besonders wichtig.
Hier finden Sie den Einladungsflyer zur Angehörigengruppe als pdf-Download.

