Fachklinikum Uchtspringe

Aktuelles

Salus-Tagesklinik Gardelegen: Kollegialer Austausch über Wege zur Hilfe für Menschen mit psychischen Erkrankungen

Das Team der Tagesklinik Gardelegen arbeitet interdisziplinär zusammen. In die Behandlung fließt Expertise aus Medizin, Psychologie, Psychotherapie, Pflege, Sozialarbeit, Ergo- und Physiotherapie ein.
Chefärztin Dr. Sylvia Schmidt ging in ihrem Vortrag auf die Möglichkeiten und Grenzen einer tagesklinischen Behandlung ein.
Neben niedergelassenen Haus- und Fachärzten, psychotherapeutisch tätigen Fachkräften sowie weiteren regionalen Kooperationspartnern nahmen auch leitende Akteure aus dem Salus-Fachklinikum Uchtspringe an dem Austausch teil. Hier im Bild v.l.n.r.: Zeynal Babazada (Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie), Dr. Sylvia Schmidt (Chefärztin der Salus-Tageskliniken in der Altmark), Dr. Cornelia Ulrich (Ärztliche Direktorin des Salus-Fachklinikums Uchtspringe) und Gundula Kölsch (Kaufmännische Direktorin des Salus-Fachklinikums Uchtspringe).
Dr. Annegret Ankerhold (Abteilungsleitende Ärztin in der Klinik für Psychosomatik, Psychotherapie und Suchtmedizin des Salus-Fachklinikums Uchtspringe) ließ sich von Stefanie Zierau (Psychologin in der Tagesklinik Gardelegen) die Räumlichkeiten der Einrichtung zeigen.
Die Ergotherapie spielt bei der Behandlung psychischer Erkrankungen eine wichtige Rolle. Sie fördert u.a. Konzentration und kreatives Ausdrucksvermögen - sichtbar zum Beispiel in diesen Werken.
Regionale ärztliche Weiterbildung

Gardelegen. Möglichkeiten und Grenzen der teilstationären Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen standen am 10. Juni 2026 im Blickfeld einer regionalen ärztlichen Weiterbildung in der Salus-Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Gardelegen.  Knapp zwei Jahre nach Eröffnung dieser neuen Therapiestätte, die zum Fachklinikum Uchtspringe gehört, nutzten niedergelassene Haus- und Fachärzte, psychotherapeutisch tätige Fachkräfte sowie weitere Kooperationspartner die Gelegenheit zum fachlichen Austausch. Chefärztin Dr. Sylvia Schmidt und ihr interdisziplinäres Team stellten das Behandlungskonzept vor und ließen an Erfahrungen aus der therapeutischen Arbeit teilhaben. Ergänzt wurde das Programm mit Führungen durch die Räumlichkeiten im Gebäude der ehemaligen Kinderklinik an der Ernst-von-Bergmann-Straße. Das Haus wurde seinerzeit für die neue Nutzung umfangreich saniert und umgebaut.  Die Einrichtung bietet tagsüber den stabilen therapeutischen Rahmen eines Krankenhauses, während die Patientinnen und Patienten ihre Freizeit, die Nacht und das Wochenende im vertrauten Umfeld verbringen. Zu den Vorteilen dieser täglichen Rückkehr in den Lebensalltag gehört, dass soziale Beziehungen erhalten bleiben und neu erlernte Fähigkeiten realitätsnah erprobt werden können. Zu besonders häufigen Diagnosen gehören Depressionen, Angst- und Anpassungsstörungen.

Positive Zwischenbilanz
Wie Chefärztin Dr. Sylvia Schmidt resümierte, hat sich die Tagesklinik seit ihrer Eröffnung fest im regionalen Versorgungssystem für psychisch kranke Menschen etabliert und als bedarfsgerecht erwiesen. „Unsere Plankapazität von 20 Plätzen ist stets ausgelastet, wenn es sich personell einrichten lässt, nehmen wir zeitweise auch ein bis zwei Patienten mehr auf“, verwies die erfahrene Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie auf den hohen Bedarf. „Dennoch lassen sich Wartezeiten auf einen Therapieplatz von vier bis zu sieben Wochen leider nicht vermeiden.“

Über die Möglichkeiten und Grenzen 
In der Tagesklinik Gardelegen können Patientinnen und Patienten ab 18 Jahren bis ins hohe Alter aufgenommen werden, die zum Beispiel an einer Depression, Angst- oder Anpassungsstörung leiden. Ebenso ist die Behandlung anderer psychischer Erkrankungen möglich, sofern Betroffene für diese Therapieform geeignet sind: „Vorausgesetzt wird neben einer gut aus-geprägten Therapiemotivation vor allem Belastbarkeit bei der selbstständigen Bewältigung alltagspraktischer Anforderungen, beispielsweise im häuslichen Umfeld, auf dem täglichen An- und Abfahrtsweg sowie bei der Freizeit- und Wochenendgestaltung“, erklärt Frau Dr. Schmidt. Die Grenzen der tagesklinischen Therapie seien erreicht, wenn eine Suchterkrankung im Vordergrund stehe, Suizidalität erkennbar sei oder akute psychotische Symptome auftreten: „Bei schweren Erkrankungen, die rund um die Uhr medizinisch-therapeutische Zuwendung erfordern, ist eine stationäre Aufnahme im Fachklinikum anzuraten. Manchmal kann die Tagesklinik anschließend als Brücke bis zur Rückkehr in den regulären Alltag dienen“, so Frau Dr. Schmidt.      

Therapie als Weg für eine bessere Lebensbewältigung
Das Behandlungskonzept umfasst je nach Diagnose und individuellen Therapiezielen neben den medikamentösen Möglichkeiten psychotherapeutisch geleitete Gruppen- und Einzelgespräche, Ergo- und Bewegungstherapie, Entspannungsverfahren sowie die Psychoeduktion als Methode zur Förderung von Krankheitsverständnis und Selbsthilfevermögen. Da viele Erkrankungen durch psychosoziale Belastungen wie zum Beispiel Stress im Arbeitsleben oder schwerwiegende private Probleme beeinflusst sind, werden Themen der Selbstwahrnehmung und Selbstbehauptung, Achtsamkeit und Konfliktfähigkeit intensiv bearbeitet. Eine tagesklinische Behandlung dauert im Durchschnitt etwa sechs Wochen, kann je nach Genesungsverlauf aber auch kürzer oder länger sein.

Die Tagesklinik Gardelegen wird in chef- und fachärztlicher Verantwortung von Dr. med. Sylvia Schmidt geführt, zu deren Wirkungsbereich auch die teilstationären Salus-Einrichtungen für Erwachsene in Salzwedel, Seehausen und Stendal gehören. Die ärztliche Leitung vor Ort hat die Assistenzärztin Narmin Alakbarli übernommen. Zum interdisziplinären Team gehören weiterhin Fachkräfte für Psychologie, Psychotherapie, Pflege, Sozialarbeit, Ergo- und Physiotherapie.
Mit der Therapieeinrichtung in Gardelegen wurde im August 2024 eine tagesklinische Versorgungslücke geschlossen. Zuvor waren die Menschen in der südlichen Altmark auf die Behandlungsmöglichkeiten in Salzwedel angewiesen. Die damit verbundenen Anfahrtswege waren äußerst beschwerlich oder – wie zum Beispiel aus den Regionen um Letzlingen, Mieste und Miesterhorst – gar nicht zu bewältigen.
Wie die Analysen mehrerer Krankenkassen über die Arbeitsunfähigkeitstage ihrer Versicherten belegen, sind psychische Erkrankungen je nach Kassenart mittlerweile an die zweite bis fünfte Stelle der Krankschreibungen gerückt. Nach Einschätzung von Fachleuten ist diese Entwicklung aber nicht nur auf einen tatsächlichen Anstieg, sondern auch auf die erhöhte Sensibilität in der Bevölkerung zurück zu führen. Chefärztin Dr. Sylvia Schmidt sagt: „Wir haben den Eindruck,  dass viele Menschen inzwischen bereitwilliger eine professionelle Hilfe für ihre psychischen Beschwerden suchen und auch in ihrem Umfeld offener damit umgehen.“ Es sei die Erkenntnis gewachsen, dass man sich mit psychischen Erkrankungen nicht verstecken muss.