Der Hochsommer ist angekommen. Hohe Temperaturen können uns ganz schön zu schaffen machen. Das gilt besonders für Senior*innen und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie wir Problemen durch die Hitze vorbeugen können? Darüber haben wir mit Dr. med. Stefan Rossa, Chefarzt der Kardiologie am Altmark-Klinikum, gesprochen.
Dr. Rossa, ab welcher Außentemperatur wird unser Herz-Kreislauf-System höher belastet?
Das ist ganz unterschiedlich – bei einigen kann es bereits ab 25 Grad zu einer höheren Belastung kommen, bei anderen erst bei viel höheren Temperaturen. Faktoren wie Erkrankungen, Körpergewicht und körperliche Fitness können dabei eine Rolle spielen. Besonders Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten im Sommer auf sich achten. Grundsätzlich sagt man, dass sportliche Aktivitäten ab 25 Grad eingeschränkt und ab 28 Grad lieber unterlassen werden sollten.
Was passiert bei so hohen Temperaturen in unserem Körper?
Bei hohen Temperaturen wird unser Kühlsystem aktiviert. Unsere Gefäße weiten sich. Die Durchblutung wird erhöht. Ein Teil des Blutes wird aus unserem Herz-Kreislauf-System in die Haut verschoben und wir beginnen zu schwitzen. Unser Puls geht nach oben und der Blutdruck nimmt ab.
Da unsere Muskeln auch Blut benötigen, um gut arbeiten zu können, macht uns Hitze weniger leistungsfähig. Das Positive allerdings ist: Unser Organismus kann sich den Temperaturen anpassen. Nach einigen Tagen erhöht sich das Blutvolumen unseres Körpers und wir werden wieder leistungsfähiger. Wie lang das dauert, hängt u.a. von Trainingszustand und Körpergewicht ab, aber wir sprechen dabei von etwa sieben bis zehn Tagen.
Neben den Temperaturen ist auch die Luftfeuchtigkeit entscheidend. Wir vertragen Hitze bei niedriger Luftfeuchtigkeit oft besser, denn hohe Luftfeuchtigkeit verhindert das Verdunsten des Schweißes. Damit bleibt der Schweiß länger auf unserer Haut und der Kühleffekt nimmt ab. Zusätzlich ist die Sonnenbrandgefahr höher, da der Schweiß wie ein Brennglas wirken kann.
Diese Reaktionen unseres Körpers können zu Kreislaufproblemen und sogar Ausfallerscheinungen führen.
Welche Ausfallerscheinungen sind das?
Durch hohe Temperaturen kann es zu Unwohlsein und Übelkeit bis hin zum Erbrechen kommen. Schwindel bis hin zum Kreislaufkollaps zählt auch zu den Symptomen. Steigt Ihr Puls und der Blutdruck fällt, schalten Sie lieber einen Gang zurück. Neben Verwirrtheit oder Desorientiertheit kann es sogar zum Bewusstseinsverlust kommen, wenn der Körper überhitzt wird. Häufig sind Menschen auch von Elektrolytstörungen, Sonnenbrand oder sogar Sonnenstich betroffen.
Wie können wir dem entgegenwirken und uns im Sommer gegen Herz-Kreislauf-Probleme schützen? Haben Sie Tipps?
Schützen können wir uns auf jeden Fall, indem Sie ein paar Hinweise und Tipps beachten.
1. Vor direkter Sonneneinstrahlung schützen
Halten Sie sich im Schatten auf, wo immer es geht. Cremen Sie sich regelmäßig mit Sonnenlotion ein. Zusätzlich schützt Sie Ihre Kleidung. Diese sollte lang, atmungsaktiv und hell sein. Falls sich direkte Sonneneinstrahlung nicht verhindern lässt, tragen Sie eine Kopfbedeckung.
2. Ausreichend trinken
Erwachsene sollten am Tag 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen, empfiehlt die Bundesärztekammer. An heißen Tagen, bei Sport und Vorerkrankungen benötigt unser Körper jedoch mehr, da er dann das doppelte bis dreifache an Wasser verlieren kann. Passen Sie hier Ihr Trinkverhalten individuell an. Sprechen Sie dazu gern mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Gerade im Sommer sind kalte Getränke sehr verlockend. Gut für den Körper sind aber insbesondere dann wärmere Getränke, Suppen und Brühen. Diese führen zu leichtem Schwitzen und unterstützen die Thermoregulation. Auf Alkohol und zuckerhaltige Getränke sollten Sie verzichten. Setzen Sie lieber auf Wasser, Früchte- und Kräutertee oder Schorlen.
3. Leichtes und fettarmes Essen
Bei Hitze haben viele Menschen sowieso keinen großen Appetit. Essen Sie leichte und fettarme Kost. Kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt, Obst und Gemüse sind zu empfehlen.
4. Abkühlung verschaffen
Verschaffen Sie sich Abkühlung. Springen Sie jedoch bitte nicht erhitzt ins „kühle Nass“. Das schadet Ihrem Organismus und kann lebensbedrohliche Folgen haben. Wichtig ist, sich langsam abzukühlen. Versuchen Sie, Räume abzudunkeln und kühl zu halten. Für Klimaanalagen gilt: Nicht zu kühl einstellen. Man sagt, etwa sechs bis sieben Grad sollte der Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenraum betragen.
5. Gesunder Schlaf
Versuchen Sie, weiterhin ausreichend zu schlafen, denn die Schlafhygiene ist wichtig für uns. Vermeiden Sie dabei den typischen Durchzug.
6. Sport – Morgenstund hat Gold im Mund
Bei sportlicher Aktivität ist die Tageszeit entscheidend. Wenn Sie Sport treiben wollen, dann in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Denken Sie dabei trotz Hitze an eine Aufwärmphase und Dehnung der Muskulatur und Sehnen.
Der wichtigste Tipp:
Hören Sie auf Ihren Körper und achten Sie auf die beschriebenen Alarmsignale: Puls geht nach oben, Blutdruck nimmt ab.
Um die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems zu testen, können Sie in unserer Kardiologie am Altmark-Klinikum Salzwedel eine Spiroergometrie durchführen lassen. Neben der Sportmedizin kommt diese Methode in den Bereichen Kardiologie und Pulmologie zum Einsatz. Patient*innen mit Herzinsuffizienz und Lungenerkrankungen können so untersucht werden. Auch bei ungeklärter Luftnot bei körperlicher Belastung und präventiv wird dies angewendet.
Weitere Informationen zu unserer Klinik für Kardiologie finden Sie hier:
Klinik für Kardiologie ǀ Altmark Klinikum (altmark-klinikum.de)
