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Wenn Kinder Depressionen haben - Im Gespräch mit Carina Gerike, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Salus-Fachklinikum Uchtspringe

Wie äußern sich Depressionen bei Kindern? Wie werden diese diagnostiziert und was kann ich als Eltern oder Familienangehörige tun? Darüber haben wir mit Salus-Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Carina Gerike gesprochen.

Carina Gerike, bevor wir über das Thema Depressionen bei Kindern sprechen, erzählen Sie uns doch gern, wie und wann Sie zur Salus gekommen sind.

Im Fachklinikum Uchtspringe arbeite ich seit etwas über einem Jahr. Bis 2017 habe ich in Salzwedel schon einmal in einer Salus-Tagesklinik gearbeitet und wechselte dann im Zuge meiner Approbationsausbildung. Danach habe ich mich hier in der Klinik II der Kinder- und Jugendpsychiatrie beworben und bin nun auf einer Station, welche den tiefenpsychologischem Schwerpunkt fokussiert, was perfekt passt, da ich meine Approbation im tiefenpsychologisch fundierten Schwerpunkt erworben habe. Ich komme aus der Region, möchte gern stationär arbeiten und das kann ich hier zu guten Bedingungen tun.

Wir beleuchten heute das Thema Depressionen bei Kindern. Wie äußern sich diese?

Dabei ist es zunächst wichtig zu wissen, dass sich die Symptome je nach Altersstufe und auch von den typischen Symptomen Erwachsener unterscheiden. Meistens ist der Bereich des Fühlens und Denkens betroffen. Dabei geht es um viele negative Gedanken und schlechte Gefühle. Betroffen sein können aber auch körperliche Bereiche. Im Kleinkindalter werden Depressionen zum Beispiel daran deutlich, dass die Kleinen gar keine Lust haben, etwas zu spielen, nicht gut schlafen, vermehrt weinen, ihre Entwicklung verzögert ist, sie schlecht essen oder ein auffälliges selbststimulierendes Verhalten – wie Schaukeln oder mit dem Kopf wippen – zeigen. Mögliche Anzeichen bei Vorschulkindern sind: Aggressivität und hohe Reizbarkeit, in sich gekehrt sein, erneut ins Bett nässen, obwohl sie vorher trocken waren.

Welche Symptome können bei den weiteren Altersstufen auftreten?

Ab der Grundschulzeit kann sich die Kommunikation über die Gefühlswelt einfacher gestalten, denn die Kinder sind dann manchmal schon in der Lage, ihre Emotionen zu beschreiben. Bedeutet, sie können dann oft schon sagen, dass etwas nicht stimmt und es ihnen nicht gut geht. Das tun sie aber nicht immer. Weitere Symptome in diesem Alter sind zum Beispiel Bauch- und Kopfschmerzen, keine guten Leistungen in der Schule, obwohl sie das Potenzial dafür hätten und hier können schon erste Suizidgedanken auftreten. Auch in der Jugend ist das Spektrum vielfältig. Dabei reichen wir von Problemen beim Essen bis zu sehr viel Appetit, ein Zurückziehen von Freunden, Vernachlässigen von Hobbies, besondere Stimmungsschwankungen und suizidale Äußerungen. 

Was sind die Ursachen von Depressionen?

Das ist sehr unterschiedlich und kann ich nicht pauschal beantworten. Eine Rolle kann das Thema Genetik spielen. Wenn es in der Familie ein Mitglied gibt, das ebenfalls eine depressive Episode hat oder auch andere (psychische) Erkrankungen, ist es wahrscheinlicher, dass das Kind auch daran erkrankt. Weiterhin können biografische und soziale Belastungen Ursache sein. Dazu gehören zum Beispiel traumatische Ereignisse, Verlust von Bezugspersonen, Misshandlung, Vernachlässigung oder Trennung der Eltern.

Wie wird eine Depression bei Kindern diagnostiziert?

Das übernimmt ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie oder ein Kinder- und Jugendpsychotherapeut. Er oder sie führt dazu eine ausführliche Anamnese durch. Dabei werden die Familie sowie das soziale Umfeld einbezogen und geschaut, welche Ereignisse ausschlaggebend sein könnten. Es erfolgen viele Gespräche, das Kind wird beobachtet und körperliche Ursachen werden ausgeschlossen. Man unterscheidet leichte, mittlere und schwere depressive Episoden. Unsere jungen Patientinnen und Patienten gehören meistens zu den „schwereren“ Fällen, da neben Depressionen häufig weitere Probleme dazukommen. Für die Behandlung in einer Klinik spielt auch der Gefährdungsgrad eine Rolle. Dazu kann zum Beispiel zählen, dass Kinder und Jugendliche sich selbst verletzen, Suizidgedanken haben, nicht mehr genug essen oder die Schule verweigern. In unserem Fachklinikum haben wir mehrere diagnostische Möglichkeiten u.a. Fragenbögen, die auf Jugendliche und Kinder gemünzt sind. Außerdem nutzen wir Informationen von Eltern, Erziehern und Lehrern. Es entsteht aus allem ein großes Gesamtbild nachdem wir handeln können.

Was kann ich als Mutter, Vater oder anderer Teil der Familie tun?

Hellhörig werden sollten Sie, wenn Symptome über mehrere Wochen und ohne erkennbaren Grund auftreten. Mit einem erkennbaren Grund meine ich eine schwierige Situation, nach der es normal ist, eine Zeit lang schlechterer Stimmung zu sein. Aber beobachten Sie die Auffälligkeiten. Dann empfehle ich, mit dem Kind zu sprechen. Beziehen Sie ggf. Erzieher oder Lehrer ein. Auch der Haus- oder Kinderarzt kann ein guter erster Ansprechpartner sein. Wenden Sie sich auch gern an Familien- oder Erziehungsberatungsstellen. Wenn keine Besserung eintritt, sollten Sie sich an einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie oder einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten wenden. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung des jeweiligen Bundeslandes kann jeder unter der Arzt- und Psychotherapeutensuche die Ansprechpartner in der Nähe finden. Beim Patientenservice der 116117 kann bundesweit nach Ärzten oder Psychotherapeuten gesucht werden. Hier ist es auch möglich, sich direkt Termine reservieren zu lassen. 

Weitere Informationen: 

Arzt- und Therapeutensuche in Sachsen-Anhalt - KVSA

116117.de - Der Patientenservice (ärztlicher Notdienst) | 116117.de