Fachklinikum Uchtspringe

Aktuelles

Zwischen Trümmern, Neubeginn und Alltag

Im Salus-Fachklinikum Uchtspringe wurde kürzlich das 33. Abstinenztreffen ausgerichtet, das für viele ehemalige Patientinnen und Patienten ein wichtiger Ankerpunkt im Jahresverlauf ist.
Das Team der Uchtspringer Abteilung für Suchtmedizin unter Leitung von Dr. med. Annegret Ankerhold (2.v.l.) hat das 33. Abstinenztreffen organisiert und sich über die positive Resonanz gefreut.
Eindrücke vom 33. Uchtspringer Abstinenztreffen

Anfang September 2025 trafen sich 48 ehemalige Patientinnen und Patienten der Klinik für Psychotherapeutische Medizin, Psychosomatik und Suchtmedizin zum 33. Uchtspringer Abstinenztag. Seit 1987 hat sich dieses Treffen als festes Forum etabliert, in dem Menschen mit Suchterfahrung in einem geschützten Rahmen zusammenkommen, um Erlebtes zu teilen, Kraft zu schöpfen und neue Impulse für ihr abstinentes Leben zu gewinnen. Bereits beim Einlass in der Cafeteria lag eine gespannte Vorfreude in der Luft, die sich in schönen Wiedersehensmomenten und lebhaften Gesprächen zwischen den „Ehemaligen“ zeigte ...

Mit einer herzlichen Begrüßung eröffnet wurde die Veranstaltung von Dr. med. Annegret Ankerhold, Leiterin der Abteilung für Suchtmedizin. Im Anschluss stand der Autor Joachim Schwarze im Mittelpunkt, der selbst betroffen ist und nach massivem Alkohol- und Betäubungsmittelmissbrauch den Weg in ein selbstbestimmtes Leben fand.  Eindringlich geschildert hat er den Wiederaufbau seines Lebens nach den Trümmern der Abhängigkeit in seinem Buch „Der Trümmermann“, aus dem er in Uchtspringe las. Er erzählte von den dunkelsten Momenten seiner Sucht und ließ an seinen Schritten in den neuen, abstinenten Alltag teilhaben. Seine ehrliche, unverstellte Erzählung rührte nicht nur die Betroffenen tief, sondern hinterließ auch bei Gästen ohne eigene Suchtgeschichte bewegende Eindrücke.

Im Anschluss an die Lesung und den Vortrag fanden sich die Teilnehmenden in Kleingruppen zusammen, in denen sie ihre eigenen Strategien und Erfahrungen weiter vertiefen konnten. Die Gespräche kreisten um Fragen wie die frühzeitige Erkennung individueller Rückfallrisiken, die Bedeutung stabilisierender Tagesrituale und die Pflege eines tragfähigen sozialen Netzwerks. Genau hier zeigte sich der Mehrwert der Uchtspringer Tradition: Aus den Impulsen persönlicher Geschichten und fachlicher Anregungen erwuchsen handfeste Alltagstipps, die im Kreis Gleichbetroffener unmittelbar diskutiert und reflektiert wurden.

Zur Mittagszeit kamen alle zu einem gemeinsamen Essen wieder in der Cafeteria zusammen. In ungezwungener Runde entwickelten sich weitere intensive Gespräche, bevor der Nachmittag einer Wanderung durch die Naturlandschaft in und um Uchtspringe mit Zwischenstopp an der Wassertretstelle gewidmet war. Den Abschluss des Tages bildete dann eine gemütliche Kaffeerunde mit Kuchen in der Cafeteria, bei der noch einmal das Miteinander zelebriert wurde. Dr. med. Annegret Ankerhold resümiert: „Wir haben wieder erlebt, wie viel Kraft in persönlicher Offenheit und gegenseitiger Unterstützung steckt, getragen von der Gemeinschaft und dem Mut, die eigene Geschichte zu teilen.“

Warum Abstinenz für suchtkranke Menschen so essenziell ist, wurde im Laufe des Tages immer wieder deutlich: Nur durch vollständigen Verzicht kann sich das Gehirn von den neurochemischen Veränderungen der Sucht erholen, alte Denk- und Verhaltensmuster aufbrechen und eine neue Balance gefunden werden. Abstinenz wirkt als Grundlage für physische Genesung – Leber, Herz-Kreislauf-System und das gesamte Immunsystem werden nachhaltig entlastet. Geebnet wird zugleich der Weg in psychische Stabilität, was das Risiko von Rückfällen minimiert und das Vertrauen in die eigene Willenskraft stärkt. In der Gemeinschaft entsteht so nicht nur Solidarität, sondern auch die Gewissheit, dass ein suchtfrei geführtes Leben realistisches Ziel und eine bleibende Errungenschaft sein kann.

Übrigens: Das Team der suchtmedizinischen Abteilung plant auch für 2026 die Fortführung dieses wichtigen Austauschtages, denn: Die enge Verzahnung von persönlicher Geschichte, fachlichen Impulsen und Gemeinschaftserlebnis macht den Uchtspringer Abstinenztag zu einem Leuchtturm im Leben von vielen Menschen mit Suchterfahrungen.