Bernburg. Die Auswirkungen von Flucht und Vertreibung auf die psychische Gesundheit im hohen Alter stehen am Mittwoch, dem 3. September 2025, im Blickfeld eines Symposiums im Salus-Fachklinikum Bernburg. Zu den Vorträgen, Diskussionen und Workshops, in denen auch aktuelle Erkenntnisse der Demenzforschung und altersspezifische therapeutische Konzepte vorgestellt werden, wird ab 13:30 Uhr ins Haus „Neuendorff“ eingeladen.
Die Veranstaltung der Fachabteilung für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie ist eingebettet in die Aktivitäten anlässlich des 150-jährigen Bestehens des heutigen Salus-Fachklinikums Bernburg. Vor dem Hintergrund dieses Jubiläums bringt sich auch Petra Grimm-Benne, Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt, die gegen 15:30 Uhr erwartet wird, mit einem Grußwort in das Programm ein. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 03471 34-4460 oder per E-Mail an s.mixdorf@salus-lsa.de möglich. Die Teilnahme ist kostenlos, das ausführliche Programm ist hier abrufbar.
Für den Impulsvortrag zur Veranstaltung konnte der renommierte Dipl. Psychologe, psycho-logische Psychotherapeut und Psychoanalytiker (DPG, DGPT) Prof. Dr. phil. Meinolf Peters gewonnen werden. Der Experte vom Institut für Alterspsychotherapie und Angewandte Gerontologie Marburg wird darauf eingehen, wie sich das Erleben von Krieg, Flucht und Vertreibung in Kindheit und Jugend auf die Lebensläufe und Identitäten hochbetagter Menschen auswirken können. Mit welchen Herausforderungen dies bei der Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen im hohen Lebensalter verbunden ist und wie in der therapeutischen Arbeit darauf eingegangen wird, zeigen anschließend Chefarzt Sayed Ghazi und die Abteilungsleitende Ärztin Dipl.-Med. Regina Wlodarczyk aus der Bernburger Fachabteilung für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie auf. Nach dem Vortragsprogramm besteht ab 16:30 Uhr die Gelegenheit zur Teilnahme an drei Workshops. Sie sind den Themen „So fühlt es sich an, alt zu sein“, „Psychotherapie im Alter“ sowie „Palliativversorgung in der Gerontopsychiatrie“ gewidmet.
Kurz informiert
Viele Menschen, die hochbetagt von einer psychischen Erkrankung betroffen sind, wuchsen noch inmitten von Bombenangriffen, Hunger, Flucht und Vertreibung auf. Mitunter erlebten sie den Verlust von Familienangehörigen, übernahmen früh versorgende Verantwortung und mussten ihre Gefühle verdrängen, was die Identitätsentwicklung und die Lebensläufe nachhaltig prägte. Im hohen Alter können die erlebten Traumata besonders stark reaktiviert werden, da mit dem Rückgang von Alltagsstrukturen und familiären Verpflichtungen lange verdrängte Erinnerungen aufflammen. Häufig wird erst dann das volle Ausmaß unaufgearbeitete Erlebnisse sicht-bar, manifestiert zum Beispiel in Symptomen wie Flashbacks, Albträumen, erhöhter Ängstlichkeit, Schlafstörungen, und Antriebslosigkeit. Eine traumasensible Alterspsychotherapie, die das strukturierte Erinnern unterstützt und den Weg für eine biografische Aufarbeitung ebnet, ist daher integraler Bestandteil der Konzepte zur Behandlung psychischer Erkrankungen im hohen Lebensalter.
Die Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (abgeleitet von griechisch „géron“- Greis) befasst sich mit der Erkennung und Behandlung von psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter. Vor dem Hintergrund der demo-graphischen Entwicklung wächst die Bedeutung dieses Fachgebiets, denn: Prognosen zufolge wird Sachsen-Anhalts Bevölkerung in 20 Jahren die älteste in ganz Europa sein. Der Anteil der über 65-Jährigen steigt von heute 24,2 auf 36 Prozent im Jahr 2030. Die häufigsten Erkrankungen, die gerontopsychiatrisch behandelt werden, sind Demenzerkrankungen (insbesondere die Alzheimer’sche Erkrankung), Depressionen, aber auch Psychosen, Anpassungsstörungen nach Verlusterleben sowie Angsterkrankungen.
Die Fachabteilung für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie des Salus-Fachklinikums Bernburg wurde als spezialisierter klinischer Bereich im Jahr 1977 etabliert und verfügt heute über drei Stationen mit insgesamt 48 Betten sowie über ein tagesklinisches Behandlungsangebot. Neben der modernen Pharmakotherapie kommt ein nicht-medikamentöses Komplexprogramm zur Anwendung, das auf Mobilisierung, Stärkung der Alltagskompetenzen und damit auf ein Plus an Lebensqualität abzielt. Ergänzt wird das stationäre Angebot u. a. durch eine Gedächtnissprechstunde und eine Angehörigengruppe.
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